Spanien referat






Spanien

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EINLEITUNG

Spanien (spanisch Espa a), K nigreich im S dwesten Europas.

Spanien erstreckt sich ber den gr eren Teil (etwa 80 Prozent) der Iberischen Halbinsel und grenzt im Norden an den Golf von Biscaya, an Frankreich und Andorra, im Osten an das Mittelmeer, im S den an das Mittelmeer und an den Atlantik und im Westen an Portugal und den Atlantik. Die britische Kronkolonie Gibraltar liegt im u ersten S den von Spanien und wird von diesem beansprucht. Die Balearen im Mittelmeer und die Kanarischen Inseln im Atlantik vor der K ste Afrikas sind spanische Gebiete. Weiterhin stehen zwei kleine Exklaven in Marokko, Ceuta und Melilla, sowie drei Inselgruppen nahe der K ste von Afrika (Pe n de V lez de la Gomera, die Alhucemas- und die Chafarinas-Inseln) unter spanischer Verwaltung. Das Staatsgebiet Spaniens einschlie lich der Gebiete in Afrika und der Inselterritorien bel uft sich auf 505 990 Quadratkilometer. Madrid ist Hauptstadt und gleichzeitig die gr te Stadt des Landes.

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LAND

Spaniens Mittelmeerk ste ist etwa 1 660 Kilometer, die Atlantikk ste etwa 710 Kilometer lang. Die lange, ununterbrochene Gebirgskette der Pyren en, die sich auf etwa 435 Kilometer vom Golf von Biscaya bis zum Mittelmeer erstreckt, bildet im Norden die nat rliche Grenze zu Frankreich und damit zu Westeuropa. Im u ersten S den trennt die Stra e von Gibraltar, die an ihrer schmalsten Stelle weniger als 13 Kilometer breit ist, Spanien von Afrika.

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Physische Geographie

Das spanische Festland wird von drei unterschiedlichen Landschaftsr umen gepr gt. Dies sind das zentrale Hochland der Meseta, die randlich anschlie enden Gebirge sowie die u eren Becken- und Gebirgslandschaften. Die mittlere H he des Festlandes betr gt etwa 660 Meter ber dem Meeresspiegel. Damit ist Spanien nach der Schweiz das gebirgigste Land des europ ischen Kontinents.

Das ausgedehnte Hochland der Meseta mit Madrid im Zentrum erstreckt sich ber eine Fl che von mehr als 250 000 Quadratkilometern. Diese Hochebene f llt von Osten nach Westen sanft ab. Sie wird vom Kastilischen Scheidegebirge und dessen Ausl ufern Sierra de Guadarrama und Sierra de Gredos in die n rdliche und die s dliche Meseta unterteilt. H chste Erhebung in diesem Gebiet ist der Pico de Almanzor mit 2 592 Metern. Die Gebirgsz ge sind durch zum Teil steilwandige T ler intensiv gegliedert. Die n rdliche Meseta umfasst die historischen Landschaften Altkastilien und Le n, die gr ere s dliche Meseta die Landschaften Neukastilien und Extremadura.

An die zentral gelegene Meseta schlie en Gebirgsz ge an. Nach Norden ist dies das Kantabrische Gebirge mit dem bis 2 648 Meter hohen Massiv der Picos de Europa. Im Osten wird die Hochebene vom Iberischen Randgebirge umrahmt (in der Sierra de Moncayo bis 2 313 Meter hoch). Die geographische Grenze nach S den markiert die bis 1 323 Meter hohe Sierra Morena. Im Westen f llt die Meseta allm hlich ber das Tafelland in Extremadura zur Atlantikk ste in Portugal ab.

Zu den h chsten der u eren Randgebirge des spanischen Festlandes geh ren die Pyren en im Norden und die Betische Kordillere mit der Sierra Nevada im S den. H chster Gipfel der Pyren en, dem Grenzgebirge zu Frankreich, ist der Pico de Aneto mit 3 404 Metern. In der Sierra Nevada erhebt sich der Mulhac n (3 477 Meter) als h chster Berg der Iberischen Halbinsel. Zwischen den inneren, die Meseta begrenzenden Gebirgen und den k stennahen Hochgebirgen breiten sich ausgedehnte Flusst ler aus. Weite Beckenlandschaften werden von den l ngsten Fl ssen der Halbinsel durchquert.

Die fruchtbaren K stenebenen sind berwiegend schmal und selten breiter als 30 Kilometer. An einigen Stellen reichen die Bergketten bis an das Meer, wo sie zum Teil sehr steil abfallen und felsige Landspitzen bilden. Dies ist besonders entlang der Mittelmeerk ste der Fall, wo sich einzelne Ausl ufer des Katalanischen K stengebirges bis zum Meer hin ausdehnen. Barcelona verf gt ber den einzigen gr eren Hafen an diesem K stenabschnitt. An der K ste im Nordwesten Spaniens, besonders in Galicien, gibt es einige bedeutende H fen. Die Voraussetzungen f r die Entstehung geeigneter Buchten sind in diesem Bereich beraus g nstig. Durch nacheiszeitlichen Anstieg des Meeresspiegels wurden in Galicien ehemalige, weit ins Landesinnere hineinreichende Flusst ler berflutet und bilden nun tief eingeschnittene Buchten (Riak ste). In diesen K stenbereichen entstanden ideale Naturh fen.

Die Inselgruppe der Balearen bildet geologisch die nord stliche Fortsetzung der Betischen Kordillere im Mittelmeer. H chster Berg ist der Puig Mayor auf Mallorca mit einer H he von 1 445 Metern. Die h chste Erhebung auf dem gesamten spanischen Territorium ist der Pico de Teide (3 715 Meter) auf Teneriffa, der gr ten der Kanarischen Inseln.

Auch wenn der Boden in Spanien f r eine agrarische Nutzung sorgf ltig bew ssert und kultiviert werden muss, ist er eine reiche und wertvolle nat rliche Ressource. Das Spektrum unterschiedlicher Bodentypen ist aufgrund der Gr e der Landes beraus breit. W hrend weite Teile des berwiegend trockenen Landesinneren von wenig entwickelten Rohb den bedeckt sind, ist in den feuchteren Regionen Terra rossa gro fl chig verbreitet. Dieser Bodentyp ist charakteristisch f r die Teile des mediterranen Raumes, in denen Kalkstein ansteht. Die niederschlagsreichen Gebiete im Norden des Landes sowie an den Luvseiten der Gebirge sind mit fruchtbaren Braunerden bedeckt. Die Landesteile in den trockenen Bereichen des s d stlichen Spanien tragen berwiegend graue, salzhaltige Halbw sten- und W stenb den.

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Flüsse und Seen

Die l ngsten spanischen Fl sse durchqueren zum Teil ausgedehnte Beckenlandschaften. Sie haben meist gro e Einzugsgebiete; ihre Wasserscheiden verlaufen ber die K mme der hohen Gebirgsz ge. Die Hauptwasserscheide zwischen Atlantischem Ozean und Mittelmeer verl uft ber die Gebirge, welche die Meseta im Norden und Osten begrenzen.

Der f r kleinere Schiffe streckenweise befahrbare Ebro im Nordosten Spaniens flie t in einem breiten Becken zwischen den Pyren en und dem Iberischen Randgebirge und m ndet nach Durchqueren des Katalanischen K stengebirges in einem sich st ndig erweiternden Delta ins Mittelmeer. Er ist 910 Kilometer lang und der einzige der gro en spanischen Fl sse, die in das Mittelmeer entw ssern. Die anderen Hauptfl sse des Landes m nden in den Atlantischen Ozean. Der 657 Kilometer lange Guadalquivir durchflie t in S dspanien das breite Andalusische Becken, das zum Atlantischen Ozean hin in eine weite Tiefebene bergeht. Duero (in Portugal Douro, Gesamtl nge 895 Kilometer), Tajo (Tejo, 1 007 Kilometer), Guadiana (818 Kilometer) und Mi o (Minho, 310 Kilometer) entspringen in Spanien und m nden in Portugal in den Atlantik.

Der Guadalquivir ist der tiefste Fluss Spaniens und der einzige, der ber eine gewisse Strecke f r gr ere Schiffe befahrbar ist. Die meisten spanischen Fl sse sind zu schmal f r die Binnenschifffahrt und k nnen auch kaum zur Bew sserung genutzt werden. Zahlreiche Kraftwerke dienen jedoch der Energiegewinnung aus Wasserkraft. In Spanien gibt es keine gr eren nat rlichen Binnenseen. An vielen Stellen der gro en Fl sse wurden k nstliche Stauseen angelegt.

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Klima

Aufgrund der gro en H henunterschiede und der weiten Nord-S d- und West-Ost-Erstreckung hat Spanien Anteil an mehreren Klimazonen. Die n rdlichen Landesteile (von Galicien im Nordwesten ber das Kantabrische Gebirge bis zu den Pyren en im Nordosten) sind ozeanisch gepr gt; sie erhalten Niederschl ge zu allen Jahreszeiten. In manchen Gebieten wurden schon Jahresniederschl ge von mehr als 2 500 Millimetern verzeichnet. Sie geh ren damit zu den feuchtesten Gebieten Europas. Die Tages- und Jahresschwankungen der Temperatur sind im Norden relativ gering. Die mittleren Monatstemperaturen liegen im Sommer um 20 C, im Winter bei etwa 9 C.

Das Klima im berwiegenden Teil Spaniens ist demgegen ber subtropisch-mediterran. Aufgrund der gro en Entfernung zum thermisch ausgleichenden Meer hat es kontinentalen Charakter. Die Temperaturunterschiede sind im Jahresverlauf vor allem in der Meseta sehr hoch. Madrid hat eine mittlere Julitemperatur von 24 C, w hrend der entsprechende Wert im Januar bei nur 5 C liegt. Einzelne Tage k nnen auch extreme Werte annehmen. So werden hier im Sommer mitunter Tagestemperaturen von 40 C berschritten und im Winter an manchen Tagen -10 C erreicht. In der zentralen Hochebene k nnen im Winter die Fl sse zufrieren, w hrend es im Sommer so hei ist, dass viele Fl sse bei lange andauernden D rreperioden vollst ndig austrocknen. Ein vor allem im s dlichen Teil der Hochebene im Sommer auftretendes Ph nomen ist die Calina. Dieser Begriff bezeichnet trockenen Staubdunst, der aus kleinsten Staubteilchen besteht, die von der aufsteigenden hei en Luft in die bodennahen Luftschichten transportiert werden. Die mittleren Jahresniederschl ge liegen in den flachen Gebieten der Meseta zwischen 300 und 600 Millimetern (in Madrid 419 Millimeter), die Randgebirge des Hochlandes erhalten bis 2 000 Millimeter. Hauptregenzeiten im zentralen Spanien sind Fr hjahr und Herbst.

Am trockensten ist es in den k stennahen Tieflagen im S dosten. Im Windschatten der Sierra Nevada werden h ufig 200 Millimeter Niederschlag im Jahr unterschritten. Damit z hlt dieses Gebiet zu den trockensten in Europa. Halbw stenhafte Bedingungen herrschen in einem k stenparallelen Streifen zwischen Alicante im Nordosten und Almer a im S dwesten. Regen f llt hier in Form von Schauern an nur wenigen Tagen im Jahr.

Auf den Balearen sind die Winter bei Mittelwerten um 12 C relativ mild. Die Kanarischen Inseln verzeichnen aufgrund der s dlicheren Lage ganzj hrig hohe Temperaturen; die Mittelwerte liegen zwischen 18 C im Winter und 26 C im Sommer.

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Flora

Die nat rliche Vegetation Spaniens wurde durch menschliche Einflussnahme tief greifend umgestaltet. Fr her waren weite Teile der Iberischen Halbinsel von Wald bedeckt. Weitr umige Abholzung zur Ausweitung von Agrar- und Siedlungsfl che sowie zur Gewinnung von Bau- und Brennholz dezimierte die Waldbest nde erheblich. Mittlerweile sind nur noch 28,8 Prozent der Landesfl che bewaldet (2000). In den k hleren und feuchteren Lagen des Nordwestens berwiegen sommergr ne Laubb ume wie Buchen, Eichen oder Kastanien, w hrend in den Pyren en zus tzlich Nadelh lzer gedeihen. Seit mehreren Jahrzehnten wird intensiv aufgeforstet. Einerseits sollen die neu geschaffenen Waldfl chen das Fortschreiten der Bodenerosion verhindern und den Wasserhaushalt der betreffenden Gebiete verbessern. Andererseits stehen hierbei wirtschaftliche berlegungen im Mittelpunkt des Interesses.

Unter den w rmeren und trockeneren Bedingungen der nach S den anschlie enden Landesteile wird die Vegetationsdecke lichter. Im bergangsbereich zu den sommerhei en Gebieten sind in den h heren Lagen Kork- und Steineichenw lder sowie verschiedene Strauchgew chse wie Ginster verbreitet. Die innere Borke der Korkeichen kann nach etwa acht bis zehn Jahren in Platten vom Stamm gesch lt und verarbeitet werden. Korkeichen werden daher zumeist als Nutzb ume angebaut. Weiden, Erlen und Pappeln sind die charakteristischen Baumarten der Flussufer. Die nat rliche Vegetation in der zentralen Hochebene besteht vor allem aus Str uchern und Geb schen.

Im S den des Landes sind der Trockenheit angepasste Hartlaubgew chse verbreitet. Dominante Arten der Macchie sind Johannisbrotstr ucher, Erdbeerb ume und Oleander. Au erdem finden Agaven und Feigenkakteen hier ideale Wachstumsbedingungen. Der Anbau von lb umen ist einer der wichtigsten landwirtschaftlichen Bereiche. Der lbaum ist die klassische Leitpflanze der mediterranen Flora. Eine der vielen wissenschaftlichen Abgrenzungen des Mittelmeerraumes orientiert sich an der Verbreitung des lbaumes. W hrend der Anbau im Landesinneren bis in die Meseta hineinreicht, werden die k stennahen Gebiete bis in die Pyren en kultiviert. In den trockensten Gebieten im S dosten wurden die typischen Vertreter der Macchie durch die Geb schformation Garigue verdr ngt. Die Flora setzt sich dabei aus niedrig w chsigeren Pflanzen wie Wolfsmilchgew chsen und Zistrosen zusammen.

Die Vegetation der Kanarischen Inseln umfasst zahlreiche endemische Arten, zu den markantesten Pflanzen geh rt der Drachenbaum. Die Kanarische Dattelpalme breitete sich von den Inseln ber weite Teil des Mittelmeerraumes aus.

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Fauna

Die ehemals vielf ltige Tierwelt wurde durch die weitr umige Abholzung reduziert. Viele Arten verloren ihre Lebensgrundlage und wurden entweder in Randbereiche zur ckgedr ngt oder starben vollst ndig aus. Zum Schutz bedrohter Arten wurden vor allem in den Pyren en, im Kantabrischen Gebirge und im M ndungsbereich des Guadalquivir Nationalparks eingerichtet.

Die S ugetierfauna ist durch einige bemerkenswerte Spezies gekennzeichnet, so gibt es in Spanien zwei Arten von Schleichkatzen: die Ginsterkatze und den Ichneumon. Zudem leben in den gebirgigeren Regionen noch Braunb ren, W lfe, Luchse und Wildkatzen. Zu den ber hmtesten domestizierten Tieren geh ren Stiere, die in der N he von Sevilla und Salamanca f r den spanischen Nationalsport , den Stierkampf, gez chtet werden.

Die Avifauna (Vogelwelt) Spaniens umfasst auffallende Arten wie Bienenfresser, Blauracke, Eisvogel und Wiedehopf sowie eine Vielzahl von Greifvogelarten mit Adlern, Geiern, Falken, Milanen, Weihen und Bussarden. In feuchten Gebieten sind Flamingos, Reiher, L ffler und Dommeln verbreitet. Die relativ reiche Reptilienfauna umfasst Eidechsen (u. a. die bis 60 Zentimeter gro e Perleidechse), Geckos, Skinke (Glattechsen), Schleichen, Schlangen (Nattern, Ottern), das Europ ische Cham leon sowie Land- und Meeresschildkr ten. In Bergfl ssen und Bergseen leben zahlreiche Fischarten wie Barben, Schleien und Forellen. Die K stengew sser sind reich an Thunfischen, Sardinen und Krebstieren.

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Umweltsituation

Fortschreitende Entwaldung, Bodenerosion, Bodenversalzung in bew sserten Gebieten sowie die damit einhergehende Verschmutzung der Fl sse z hlen zu den gravierendsten kologischen Problemen des Landes. Der Tourismus, eine wichtige Einnahmequelle Spaniens, belastet die Umwelt ebenfalls erheblich. Die Anlage von ausgedehnten Feriensiedlungen stellt f r unter Schutz stehende Gebiete h ufig eine Bedrohung dar, und fehlende Kl r- und Wasseraufbereitungsanlagen f hren zu gef hrlichen Verschmutzungen, insbesondere an der Mittelmeerk ste w hrend der Sommermonate.

Etwa 8,4 Prozent (2000) der Landesfl che stehen unter Naturschutz. Zwei Nationalparks wurden zum Weltnaturerbe erkl rt. Im Rahmen des Biosph renprogramms der UNESCO wurden 14 Biosph renreservate geschaffen. In mehreren Regionen lie die spanische Regierung Vogelschutzgebiete anlegen. Dar ber hinaus wurden sechs Meeresgebiete im Rahmen des Aktionsplanes f r das Mittelmeer unter besonderen Schutz gestellt.

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BEVÖLKERUNG

Die Einwohnerzahl Spaniens betr gt etwa 40,2 Millionen (2003). Die Bev lkerungsdichte liegt bei etwa 79 Einwohnern pro Quadratkilometer. Die Verteilung der Bev lkerung ist beraus ungleichm ig. 78 Prozent der Bev lkerung leben in St dten (2001). Hohen Werten der Bev lkerungsdichte in den wirtschaftlich stark entwickelten Gebieten und den K stenregionen stehen zum Teil sehr niedrige Werte im Landesinneren gegen ber. Die Zuwanderung von Menschen aus strukturschwachen l ndlichen Regionen in die gro en St dte h lt an. Mehr als drei Millionen Spanier leben im Ausland, darunter etwa 200 000 in Deutschland. Das mittlere Bev lkerungswachstum Spaniens betr gt etwa 0,16 Prozent (2003). Die mittlere Lebenserwartung liegt f r M nner bei 75,9 und f r Frauen bei 82,8 Jahren (2003).

Spanien ist ein ethnisch beraus homogenes Land, rund 97,5 Prozent aller Bewohner sind Spanier. Die Bev lkerung ging im Wesentlichen aus der Mischung der urspr nglichen Bev lkerung der Iberischen Halbinsel mit den V lkern hervor, welche die Halbinsel eroberten und ber lange Zeitr ume hinweg besetzten. In diesen Perioden kamen ethnische Elemente der R mer, der Sweben, der Westgoten (siehe Goten) und der Teutonen hinzu. Weiterhin k nnen semitische Elemente nachgewiesen werden. Viele ethnische Gruppen in Spanien haben sowohl kulturell als auch sprachlich ihre Identit t bewahrt. Hierzu z hlen die etwa 2,5 Millionen Basken im Norden des Landes. Sie sind Nachkommen eines nichtindogermanischen Volksstammes und zeigen traditionell starke Bestrebungen zur Autonomie. Die historische Region der Basken reicht auf franz sisches Staatsgebiet ber. Im Nordwesten Spaniens leben rund 2,5 Millionen Galicier. Eine weitere zahlenm ig starke ethnische Gruppe sind die etwa acht Millionen Katalanen, von denen die meisten in Katalonien leben. Weitere Siedlungsgebiete der Katalanen sind die s dlich angrenzenden Gebiete sowie die Balearen.

Im Dezember 2000 waren in Spanien rund 940 000 Ausl nder gemeldet, davon stammten rund 555 000 aus L ndern au erhalb der Europ ischen Union. Der Anteil ausl ndischer Bewohner an der Gesamtbev lkerung ist mit etwa 2,5 Prozent sehr gering. Die gr te Gruppe bilden Marokkaner (ca. 195 000), gefolgt von Chinesen (31 000) und Ecuadorianern (29 000). Seit 1990 ist eine verst rkte Zuwanderung aus osteurop ischen Staaten zu verzeichnen. Zahlenm ig st rkste Volksgruppen sind Rum nen (12 000, mit einem hohen Anteil von Sinti und Roma) und Polen (9 000). Die Zahl der sich illegal in Spanien aufhaltenden Personen wird auf ber 100 000 gesch tzt.

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Wichtige Städte

Die Hauptstadt und zugleich gr te Stadt ist Madrid mit etwa 2,94 Millionen Einwohnern (2001). Die zweitgr te Stadt, Barcelona (1,50 Millionen), ist zugleich wichtigster Hafen und Handelszentrum, die Hauptstadt der Provinz Barcelona und der Region Katalonien. Weitere bedeutende St dte sind u. a. Valencia (738 000), die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz und Region, ein Produktions- und Eisenbahnzentrum, Sevilla (685 000), Hauptstadt der Provinz Sevilla und der Region Andalusien, ein bedeutendes kulturelles Zentrum, Zaragoza (615 000), Hauptstadt der Provinz Zaragoza und der Region Aragonien, ein wichtiges Industriezentrum, und Bilbao (350 000), eine Stadt mit einem bedeutenden Exporthafen.

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Sprache

Offizielle Landessprache ist Spanisch, das weltweit von etwa 250 Millionen Menschen gesprochen wird. Rund 500 000 Menschen im spanischen und franz sischen Baskenland sprechen Baskisch. Die Herkunft dieser beraus alten Sprache ist unbekannt; sie hat keinerlei Verwandtschaft mit anderen europ ischen Sprachen. Katalanisch hat seit Ende der Franco-Ara im Nordosten des Landes Spanisch immer mehr verdr ngt. Galicisch ist mit dem Portugiesischen eng verwandt; die Sprachgrenzen sind flie end. Baskisch, Katalanisch und Galicisch sind seit 1978 als Nationalsprachen anerkannt und werden in den Schulen der jeweiligen Gebiete unterrichtet.

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Religion

Etwa 97 Prozent der Spanier bekennen sich zur r misch-katholischen Kirche. Das Land ist in elf Erzdi zesen und ber 50 Suffraganbist mer unterteilt. Der Katholizimus war einst Staatsreligion. In der Verfassung von 1978 wurde jedoch festgelegt, dass Spanien keine Staatsreligion mehr haben solle. Es gibt kleinere Gemeinden von Protestanten, Juden und Muslimen.

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Feiertage

Zu den gesetzlichen Feiertagen geh ren Neujahr (1. Januar), der Dreik nigstag (6. Januar), der Josefstag (19. M rz), der Karfreitag, der Tag der Arbeit (1. Mai), Fronleichnam, der Namenstag des K nigs (24. Juni), der Santiago-Tag (25. Juli), der Nationalfeiertag, an dem der Entdeckung Amerikas durch Kolumbus gedacht wird (12. Oktober), Allerheiligen (1. November), Mari Empf ngnis (8. Dezember) und Weihnachten (25. Dezember). Daneben feiert nahezu jede Stadt und jede Region ihre eigene Fiesta zu Ehren des lokalen Schutzheiligen.

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Soziales

Das 1939 erlassene Gesetz zur Familienbeihilfe gew hrt den Arbeitern in Spanien eine monatliche Unterst tzung je nach Anzahl der Kinder in der Familie. Die hierf r ben tigten Mittel werden von Arbeitgebern und Angestellten beigesteuert. Seit 1949 gibt es ein Rentensystem sowie Kranken- und Wochengeld. Aus ffentlichen Geldern stammen die Mittel f r die Unterst tzung der Armen, Schwesternschulen und Krankenh user. Die medizinische Versorgung der Bev lkerung ist ausreichend.

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BILDUNG UND KULTUR

Das goldene Zeitalter des spanischen Bildungswesens lag im Mittelalter, als Mauren, Christen und Juden in C rdoba, Granada und Toledo starke, religions bergreifende Zentren f r h here Bildung unterhielten. Die Universit t von Salamanca (1218 gegr ndet) diente seit dem 16. Jahrhundert als Vorbild f r die Hochschulen in Lateinamerika und st rkte so den internationalen Einfluss des spanischen Bildungswesens. Im Lauf des 16. Jahrhunderts war die Universit t von Alcal (gegr ndet in Alcal de Henares 1510, Umzug nach Madrid 1836 Universit t von Madrid) f r die in vielen Sprachen parallel durchgef hrten Bibel bersetzungen ber hmt. Bedeutende Lehrmeister jener Zeit waren u. a. Juan de Huarte, ein Pionier auf dem Gebiet psychologisch orientierter Erziehung, der Humanist und Philosoph Juan Luis Vives, der neue Vorstellungen f r das Bildungswesen vertrat und sich ganz besonders f r die Bildung der Frauen einsetzte, sowie St. Ignatius von Loyola, der Gr nder des Jesuitenordens. Francisco Giner de los R os, der nach Reformm glichkeiten in der h heren Bildung und bei der Ausbildung von Frauen suchte, Francisco Ferrer Guardia, der sich f r eine Reform und Demokratisierung der Bildung stark machte, und der Philosoph Jos Ortega y Gasset, dessen Schriften ber die Aufgaben der Universit t in viele Sprachen bersetzt wurden, waren weitere Lehrer, die im 19. und 20. Jahrhundert wichtige Beitr ge zum Bildungswesen leisteten. Die K nigliche Spanische Akademie (1713 gegr ndet) und die K nigliche Akademie f r Geschichte (1738 gegr ndet) sind f r ihre wissenschaftlichen Ver ffentlichungen bekannt.

Jede Betrachtung der spanischen Kultur muss den au erordentlich gro en Einfluss der Religion auf die Geschichte des Landes und das Leben des Einzelnen hervorheben.

Das spanische Leben ist stark von Fiestas gepr gt. Diese beginnen normalerweise mit einer Hochmesse mit anschlie ender feierlicher Prozession, bei der Heiligenfiguren von den Teilnehmern auf ihren Schultern getragen werden. Oft beleben Musik, Tanz, Dichtung und Gesang das farbenfrohe Ereignis. Zu den bedeutendsten Fiestas geh ren die Fiesta in Valencia, die April-Fiesta in Sevilla und die Fiesta San Ferm n in Pamplona. Dagegen sind das Fronleichnamsfest in Toledo und Granada sowie die Feierlichkeiten der Karwoche in Valladolid, Zamora und Cuenca sehr ernsthafte Ereignisse.

Der Stierkampf, der in der spanischen Tradition eine beraus gro e Rolle einnimmt, wird fiesta brava genannt. Auch wenn der Stierkampf selbst in Spanien immer st rker in die Kritik ger t, bleibt der Besuch einer Arena f r viele Spanier eine beliebte Freizeitbesch ftigung. Die Wurzeln des Stierkampfes reichen in das 16. Jahrhundert zur ck, als Reiter (caballeros) die Stiere mit der Lanze erlegten. Neben der Funktion als Feierlichkeit an adeligen H fen diente dieser Kampf mitunter auch als Waffen bung. Im Laufe des 17. Jahrhunderts wurde der berittene K mpfer immer mehr vom K mpfer zu Fu verdr ngt. Zum ffentlichen Schauspiel wurden Stierk mpfe mit Fertigstellung des Baus der ersten Plaza de Toros im Jahr 1749 in Madrid. Mittlerweile treten als Stierk mpfer nur noch professionelle Toreros in die Arena.

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Bildung und Schulwesen

W hrend der letzten Jahrzehnte wurde das Bildungswesen des Landes kontinuierlich ausgebaut. Dadurch gelang es auch, die Analphabetenrate auf inzwischen unter 5 Prozent zu senken. In Spanien ist die Schulausbildung kostenlos. Es besteht eine Schulpflicht von 11 Jahren (2000). Das Schulsystem besteht aus der Vorschule (f r Kinder von drei bis f nf Jahren), der Grundschule (von sechs bis elf Jahren) und einer weiterf hrenden Schule (von zw lf bis 16 Jahren). Danach k nnen die Sch ler entweder eine ein bis zwei Jahre dauernde Berufsausbildung absolvieren oder das sich ber zwei Jahre erstreckende Bachillerato als Vorbereitung und Bedingung f r den Besuch der Universit t ablegen. Das universit re System besteht aus drei Stufen. Die erste, bei deren Abschluss die Diplomatura erreicht wird, dauert drei Jahre. Nach Abschluss der zweiten Stufe, die sich ber zwei oder drei Jahre hinzieht, wird die Licenciatura abgelegt. Studenten, die den Grad eines Doktors erreichen wollen, m ssen die dritte Stufe ber zwei Jahre absolvieren und eine Doktorarbeit schreiben.



Etwa 1,83 Millionen Studenten sind an spanischen Hochschulen eingeschrieben (2000). Zu den bedeutendsten Universit ten des Landes geh ren die Universit t und die Polytechnische Hochschule von Madrid (1971 gegr ndet) sowie die Universit ten von Barcelona (1450), Granada (1526), Salamanca (1218), Sevilla (1502) und Valencia (1500).

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Kultureinrichtungen

Die 1712 als K nigliche Bibiliothek gegr ndete Nationalbibliothek in Madrid ist die gr te des Landes und beherbergt ber vier Millionen gebundene B cher. Zu ihrer Sammlung geh ren seltene B cher, Drucke und die wundersch ne Sala de Cervantes, die dem gro en spanischen Schriftsteller Miguel de Cervantes Saavedra gewidmet ist. Die Bibliothek des K niglichen Palastes (1760 gegr ndet) in Madrid verf gt ber viele seltene Auflagen aus dem 16. Jahrhundert sowie ber herausragende Manuskripte und Kupferstiche. Die Escorial-Bibliothek in der N he von Madrid ist f r ihre Sammlung seltener B cher bekannt. Archiv und Bibliothek der Kathedrale von Toledo sind f r die Sammlung von etwa 3 000 Manuskripten aus dem 8. und 9. Jahrhundert und mehr als 10 000 Dokumenten aus dem 11. Jahrhundert ber hmt.

Eine der gr ten Kunstsammlungen der Welt befindet sich im Nationalmuseum in Madrid (dem Prado). Hier finden sich Exponate von El Greco, Diego Vel zquez, Bartolom Esteban Murillo und Francisco Goya, Werke der italienischen Maler Sandro Botticelli und Tizian sowie von Rembrandt. Das Nationalmuseum f r Moderne Kunst in Madrid hat sich auf die spanische Malerei nach 1800 spezialisiert.

Spanische Tonwaren, Brokate, Wandteppiche und Elfenbeinschnitzereien befinden sich im Nationalen Museum f r Arch ologie, das auch die bedeutendste spanische Bibliothek mit Werken der Arch ologie beherbergt. Im Nationalen V lkerkundemuseum in Madrid sind Kunstwerke aus den ehemaligen spanischen Kolonien ausgestellt, darunter aus Aquatorial-Guinea, den Philippinen und Bolivien. Weitere Museen in Madrid sind das Nationale Museum der Wissenschaft und das Museum des Spanischen Volkes. In Barcelona befinden sich das Meereskundemuseum und das Arch ologische Museum, das eine gro e Sammlung pr historischer, ph nizischer, griechischer, r mischer und westgotischer Kunstwerke beherbergt.

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Literatur

Siehe spanische Literatur

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Kunst und Musik

Die spanische Kunst wirkte ber die Jahrhunderte nachhaltig auf den Rest der europ ischen Tradition. Zu den ber hmtesten spanischen Malern geh ren El Greco, Vel zquez, Goya, Salvador Dal und Pablo Picasso.

Die spanische Musik spiegelt die starken Einfl sse der christlichen und maurischen Kultur. Im 17. Jahrhundert wurde eine besondere Opernform, die Zarzuela, eingef hrt. Antonio Soler war im 18. Jahrhundert einer der f hrenden Klavierkomponisten, und Enrique Granados sowie Manuel de Falla setzten diese Tradition im 20. Jahrhundert fort. Neben Komponisten von Weltruf brachte Spanien auch Instrumentalvirtuosen hervor. Ber hmte spanische Musiker des 20. Jahrhunderts sind u. a. der Gitarrist Andr s Segovia, der u. a. Paco de Luc a ma geblich beeinflusste, und der Cellist Pablo Casals. Unter den ber hmtesten Ten ren der Gegenwart kommen Jos Carreras und Pl cido Domingo aus Spanien.

Zu den in Spanien beliebtesten Instrumenten geh ren Gitarre, Tamburin, Kastagnetten und die gaita, eine Art Dudelsack. Bolero, Flamenco, Jota und Fandango haben in Spanien ihren Ursprung.

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Medien

Die staatliche Mediengesellschaft Radiotelevision Espa ola (RTVE) wird von einem Ausschuss geleitet, dem Vertreter aller politischer Richtungen und der freien Wirtschaft angeh ren. Seit 1988 sind auch private Fernsehstationen zugelassen. In Spanien gibt es 87 Tageszeitungen (2000), die eine Gesamtauflage von etwa 4 Millionen Exemplaren erreichen. Einflussreiche Tageszeitungen sind etwa die in Madrid herausgegebenen El Pa s und A.B.C. sowie La Vanguardia aus Barcelona.

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VERWALTUNG UND POLITIK

Nach dem Ende des autorit ren Regimes unter Francisco Franco (1939-1975) entwickelte sich Spanien zu einer demokratischen Republik. Gem der 1978 in Kraft getretenen, 1992 letztmals erweiterten Verfassung ist Spanien eine konstitutionelle Monarchie mit einem parlamentarisch-demokratischen Regierungssystem.

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Exekutive

Das spanische Staatsoberhaupt ist der K nig, der auch Oberbefehlshaber der Streitkr fte ist. In Spanien gibt es eine Erbmonarchie. Der K nig verf gt auch ber das Recht, das Parlament aufzul sen. An der Spitze der Regierung steht der Premierminister; er wird auf Vorschlag des Monarchen vom Abgeordnetenhaus (Kongress der Deputierten) gew hlt.

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Legislative

1977 wurde das spanische Einkammersystem der Cortes durch ein aus zwei Kammern bestehendes Parlament ersetzt. Die beiden Kammern setzen sich aus dem Abgeordnetenhaus mit 350 Mitgliedern und dem Senat mit 255 Mitgliedern (208 direkt gew hlten Mitgliedern und 47 Sonderabgeordneten der Autonomen Regionen) zusammen. Die Mitglieder des Abgeordnetenhauses werden auf vier Jahre in allgemeiner Verh ltniswahl gew hlt. Wahlberechtigt sind alle B rger ab 18 Jahren. Die direkt gew hlten Senatoren werden in den Autonomen Regionen ebenfalls auf vier Jahre gew hlt. Jede Provinz des Festlandes stellt mehrere Senatoren.

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Judikative

Die h chste juristische Instanz ist der Oberste Gerichtshof mit Sitz in Madrid. Es gibt 17 regionale Gerichte, eines in jeder Autonomen Region, und 52 Gerichte der Provinzen. Die unterste Stufe des Gerichtswesens bilden die Amtsgerichte. Das Verfassungsgericht berwacht die Einhaltung der Verfassung.

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Kommunalverwaltung

Spanien besteht aus 17 Autonomen Regionen (Comunidades Aut nomas) mit insgesamt 52 Provinzen. Die Autonomen Regionen sind Andalusien, Aragonien, Asturien, Balearen, Baskenland (Pa s Vasco), Kanarische Inseln, Kantabrien, Kastilien-La Mancha, Kastilien-Le n (siehe Kastilien), Katalonien, Extremadura, Galicien, La Rioja, Madrid, Murcia, Navarra und Valencia.

Die Verfassung von 1978 erlaubte zwei Arten von autonomen Regionen, die jeweils mit unterschiedlichen Befugnissen ausgestattet waren. Katalonien, das Baskenland und Galicien wurden zu historischen Nationalit ten erkl rt und durchliefen ein vereinfachtes Verfahren zur Erreichung ihrer Autonomie. Das Verfahren f r die anderen Regionen war langwieriger und komplizierter. Die Autonomen Regionen haben zwar weitgehende Vollmachten in der Selbstverwaltung; ber die Frage, ob regionale oder zentrale Regierungsgewalt vorherrschen soll, wird jedoch noch immer verhandelt. Zu den Zust ndigkeiten der Autonomen Regionen geh ren u. a. Sozialf rsorge, Kultur, Polizei, Gesundheitswesen und Umweltschutz.

In jeder der 17 Autonomen Regionen Spaniens wird eine gesetzgebende Versammlung gew hlt, die aus einer Kammer besteht. Diese Kammer bestimmt aus ihren Mitgliedern einen Pr sidenten. Sieben Autonome Regionen bestehen aus nur einer Provinz, die anderen zehn umfassen zwei oder mehr Provinzen. Die einzelnen Regionen unterscheiden sich hinsichtlich Fl che, Einwohnerzahl und Wirtschaftskraft stark voneinander. Katalonien im Nordosten von Spanien hat sich in den letzten Jahren zu einer der wirtschaftlich dynamischsten Regionen in Europa entwickelt. Die Wirtschaftsstruktur wird berwiegend vom produzierenden Gewerbe und dem Dienstleistungssektor gepr gt. In der gr eren, aber wesentlich d nner besiedelten Extremadura im S dwesten Spaniens dominiert demgegen ber immer noch die Landwirtschaft.

In jeder der insgesamt 52 Provinzen gibt es einen ernannten Gouverneur und einen gew hlten Rat. Die mehr als 8 000 Gemeinden werden jeweils von einem direkt gew hlten Rat regiert, der seinerseits aus seinen Reihen den B rgermeister w hlt.

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Politische Parteien

St rkste Parteien in Spanien sind der konservative Partido Popular (PP, Volkspartei) und der sozialdemokratische Partido Socialista Obrero Espa ol (PSOE, Sozialistische Spanische Arbeiterpartei). Weitere bedeutende Parteien sind die Izquierda Unida (IU, Vereinigte Linke) sowie die nationalistisch orientierten Parteien der Katalanen, Basken und Galicier.

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Verteidigung

F r die m nnlichen Spanier ist seit Januar 1997 ein sechsmonatiger Wehrdienst Pflicht. Bis Ende 1996 betrug die allgemeine Wehrpflicht noch neun Monate. Die spanische Armee umfasst 177 950 Soldaten (2001). Die paramilit rische Guardia Civil hat eine St rke von 66 000 Mann. In den vergangenen Jahren wurden jeweils etwa 200 000 neue Wehrpflichtige zum Dienst an der Waffe eingezogen. Die Zahl der Wehrdienstverweigerer bel uft sich auf j hrlich etwa 100 000. Die neuesten Pl ne des spanischen Verteidigungsministeriums zielen auf eine Abschaffung der Wehrpflicht bis zum Jahr 2003 und die Aufstellung einer Berufsarmee von rund 150 000 Soldaten.

Spanien wurde 1982 Mitglied der NATO. Diese Mitgliedschaft im westlichen Verteidigungsb ndnis wurde 1986 mit einer Volkabstimmung best tigt. Unter anderem zielte das Referendum auch auf die Reduzierung der in Spanien stationierten Truppen der anderen Mitgliedsstaaten der Allianz. Spanien und die Vereinigten Staaten von Amerika einigten sich im Januar 1988 auf den Abzug amerikanischer Luftstreitkr fte vom St tzpunkt Torrej n.

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WIRTSCHAFT

Spaniens konomie war bis etwa 1961 stark auf die Agrarwirtschaft ausgerichtet. Um das Land den Standards westlicher Industrienationen anzupassen, stellte man in der Folgezeit eine ganze Reihe von Entwicklungspl nen auf, die eine Umstrukturierung des Agrarsektors vorsahen und die Industrialisierung vorantrieben. Der Beitritt Spaniens zur Europ ischen Gemeinschaft (EG) am 1. Januar 1986 hatte die Beschleunigung dieser Prozesse zur Folge. Heutzutage wird der berwiegende Teil der Staatseinnahmen in der Industrie und im Dienstleistungssektor erzielt. Das Bruttoinlandsprodukt liegt bei 581 823 Millionen US-Dollar (2001). Die Handelsbilanz des Landes ist jedoch negativ; die Ausgaben f r Importe bersteigen die Einnahmen aus Exporten. In diesem Zusammenhang kommt der Tourismusbranche gro e Bedeutung zu. Mit den Einnahmen aus dem Fremdenverkehr l sst sich ein guter Teil des Bilanzdefizits ausgleichen.

Von den spanischen Erwerbst tigen arbeiten 62 Prozent im Dienstleistungssektor, 31 Prozent sind im produzierenden Gewerbe t tig, 7 Prozent in der Land- und Forstwirtschaft sowie in der Fischerei (2000). Ein nicht unwesentliches Problem ist die hohe Arbeitslosigkeit. Innerhalb der EU hat Spanien die h chste Arbeitslosenquote, sie liegt bei 14,1 Prozent (2000).

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Landwirtschaft

Die Landwirtschaft ist eine der wesentlichen St tzen der spanischen Wirtschaft. Die wichtigsten landwirtschaftlichen Produkte sind Weizen, Gerste, Zuckerr ben, Mais, Kartoffeln, Roggen, Hafer, Reis, Trauben, Tomaten und Zwiebeln. Spanien verf gt ber ausgedehnte Weinanbaugebiete sowie ber Citrus- und Olivenhaine.

Nur in einem Teil Spaniens, vor allem im Norden des Landes, ist der Trockenfeldbau bei ausreichenden Niederschl gen gro fl chig verbreitet. Ohne k nstliche Bew sserung gedeihen vorwiegend Getreide und H lsenfr chte sowie trockenheitsresistente Dauerkulturen wie Weinst cke, Feigenb ume und lb ume. Die klimatischen und topographischen Bedingungen erfordern in weiten Teilen der spanischen Landwirtschaft umfangreiche Bew sserung. In den Provinzen am Mittelmeer, vor allem in Valencia, gibt es Bew sserungssysteme, welche die Arbeit vieler Generationen widerspiegeln. Der fr her trockene K steng rtel ist heute eine der fruchtbarsten Gegenden in Spanien; auf vielen agrarisch genutzten Fl chen (Huertas) sind mehrere Ernten im Jahr m glich. Neben Zuckerrohr und Zitrusfr chten werden hier vor allem Gem se, Tabak und auch Reis kultiviert. Im Tal des Ebro gibt es kombinierte Bew sserungs- und Wasserkraftprojekte zur Gewinnung von Elektrizit t. Weite Gebiete der Extremadura, wie etwa die Region im Umland des Flusses Guadiana, werden mit Hilfe staatlicher Bew sserungsprojekte bewirtschaftet. In kleineren Bauernh fen wird der Boden h ufig ber Brunnen bew ssert. Andalusien liefert mehr als die H lfte der gesamten Olivenproduktion des Landes. lb ume werden in den trockenen Gebieten S dspaniens auf gro en Fl chen angebaut. Weitere wichtige Anbauprodukte im S den sind Baumwolle und Wein. Spanien ist einer der weltweit gr ten Weinproduzenten.

Viehzucht, insbesondere die Haltung von Schafen, Ziegen, Schweinen und Rindern, spielt ebenfalls eine wichtige Rolle in der Landwirtschaft. Der Viehbestand konnte in den vergangenen Jahrzehnten erheblich gesteigert werden. Entsprechend wuchs auch die Produktion von Fleisch und Milch. Eine Besonderheit in der Viehwirtschaft ist die Zucht von Kampfstieren, die vorwiegend in den n rdlichen Regionen (vor allem in Galicien, in Asturien und im Baskenland) erfolgt. Die intensive Entwicklung der Viehwirtschaft ist mittlerweile vor allem in den trockeneren Gebieten S dspaniens problematisch geworden. Zu starke Beweidung f hrte auf einigen Fl chen zu nahezu vollst ndigem Verlust der Vegetationsdecke und nachfolgenden Erosionssch den.

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Forstwirtschaft und Fischerei

Die Korkeiche geh rt zu den wichtigsten B umen in Spanien, und die j hrliche Korkproduktion wird in Europa nur noch von Portugal bertroffen. Die Ertr ge der W lder allein k nnen den Bedarf des Landes an Nutzholz nicht decken. Schon in der Antike wurden auf der Iberischen Halbinsel ausgedehnte Waldbest nde gerodet. Wald- und Buschbr nde f hren dazu, dass trotz gezielter Aufforstung die gesamte Waldfl che j hrlich kaum zunimmt. Zur Deckung des Papierbedarfes werden vor allem Pappel- und Eukalyptusarten angebaut.

Die Fischfangindustrie spielt in der spanischen Volkswirtschaft eine wichtige Rolle. Seit Beginn der achtziger Jahre sind die Fangquoten jedoch aufgrund der Beschr nkung spanischer Fischereirechte von Seiten der Europ ischen Union und Marokkos zur ckgegangen. Die wichtigsten Fanggr nde liegen vor der Atlantikk ste Galiciens. Auch im Bereich der Kanarischen Inseln sind die Anlandungen hoch. Besonders hohe Ertr ge werden mit Thunfischen, Sardinen, Seehechten, Sardellen, Makrelen, Tintenfischen und Muscheln erreicht; letztere werden auch an der galicischen K ste gez chtet.

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Bergbau

Spanien verf gt ber betr chtliche Vorkommen an Bodensch tzen. In bedeutenden Mengen werden sie im Norden des Landes, vor allem in den Regionen Galicien, Asturien und Baskenland, sowie im Bereich der Sierra Morena und der Betischen Kordillere gef rdert. Die ertragreichsten Kohleminen befinden sich im Nordwesten, in der N he von Oviedo. Um Santander und Bilbao gibt es die ergiebigsten Eisenerzvorkommen des Landes. Spanien geh rt zu den gr ten Quecksilberproduzenten der Welt; bedeutende Lagerst tten existieren im S dwesten bei Almad n. In Andalusien werden Kupfer und Blei abgebaut. Weitere Rohstoffe sind u. a. Uran, Erd l und Erdgas sowie Salz.

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Industrie

Neben der Stahlerzeugung (besonders im Norden des Landes) und der Metallindustrie geh ren der Maschinenbau und die Fahrzeugmontage zu wichtigen Zweigen der spanischen Industrie. Ebenfalls bedeutende Sektoren sind Leder-, Textil- und Bekleidungsindustrie, die chemische Industrie, die Elektroindustrie (u. a. im Ballungsraum Madrid) sowie die Nahrungsmittelindustrie.

Die n rdlichen Industriestandorte um Oviedo und Gij n sowie Bilbao und San Sebastian sind Zentren des Maschinenbaus sowie der Eisen- und Stahlindustrie. Im Nordosten u. a. im Raum Barcelona sind chemische und Textilindustrie gut entwickelt. Die Fertigung von Kraftfahrzeugen ist auf mehrere Standorte verteilt z. B. bei Vitoria, Zaragoza, Barcelona, Valladolid, Madrid und C diz im S den des Landes. Auch die Verarbeitung von Nahrungsmitteln erfolgt in vielen St dten.

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Energie

50,44 Prozent des spanischen Strombedarfs werden in konventionellen W rmekraftwerken produziert. 18,24 Prozent der Energie erzeugen Wasserkraftwerke, 27,20 Prozent werden in Atomkraftwerken gewonnen (2001). Im S den Spaniens sind einige Solaranlagen in Betrieb.

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Währung und Bankwesen

W hrungseinheit ist seit dem 1. Januar 2002 der Euro zu 100 Cents, der die Peseta (Pta) zu 100 C ntimos (cts) als W hrung abl ste. Zentralbank des Landes ist die Bank von Spanien (gegr ndet 1829). Eine gro e Anzahl von Handelsbanken ist im ganzen Land verteilt. Wichtige B rsen befinden sich in Madrid, Barcelona und Bilbao.

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Außenhandel

Das Volumen des Au enhandels stieg nach dem Beitritt Spaniens zur EG stark an; Ausfuhr und Einfuhr entwickelten sich gleicherma en. Die Handelsbilanz Spaniens ist negativ. Zu den wichtigsten Importg tern z hlen Roh l und andere Rohstoffe, Maschinen und Fahrzeuge, elektrotechnische und feinmechanische Instrumente, Nahrungsmittel und chemische Erzeugnisse. Exportiert werden vor allem Eisen und Stahl, Textilien, Kraftfahrzeuge und landwirtschaftliche Produkte (besonders Oliven l, Zitrusfr chte und Wein). Die wichtigsten Handelspartner Spaniens sind Frankreich, Deutschland, Italien, Gro britannien und Portugal.

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Verkehrswesen

Das spanische Stra ennetz hat eine Gesamtl nge von etwa 663 800 Kilometern (1999). Autobahnen (etwa 3 000 Kilometer) gibt es berwiegend in den n rdlichen Gebieten und entlang der Mittelmeerk ste.

Das Schienennetz mit einer L nge von rund 13 900 Kilometern (2000) wird von staatlichen und privaten Unternehmen unterhalten. Seit 1992 wird ein Hochgeschwindigkeitszug auf der Strecke von Madrid nach Sevilla eingesetzt. Mit der Erweiterung der Strecke nach Barcelona wurde begonnen.

F r den Flugverkehr nehmen Madrid und Barcelona die Hauptrolle ein. F r den Fremdenverkehr haben vor allem die Flugh fen von M laga, Alicante, Palma de Mallorca, Las Palmas de Gran Canaria und Santa Cruz de Tenerife gro e Bedeutung. Dar ber hinaus gibt es Flugh fen bei Santiago de Compostela und Sevilla.

Eine bedeutende Rolle f r Transport und Verkehr spielt die Hochsee- und K stenschifffahrt. Zu den wichtigen H fen z hlen u. a. Barcelona, Bilbao, Valencia, Gij n und Palma de Mallorca.

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Tourismus

Der Fremdenverkehr stellt mitunter die wichtigste Einnahmequelle des Landes dar. 1999 reisten mehr als 60 Millionen Menschen aus anderen L ndern nach Spanien; der berwiegende Teil davon waren Urlauber. Die meisten Besucher des Landes kamen aus Frankreich, Portugal, Deutschland und Gro britannien.

Der Tourismus konzentriert sich stark auf die festl ndischen K stenregionen am Atlantischen Ozean und am Mittelmeer sowie auf die Balearen und die Kanarischen Inseln. Dar ber hinaus verzeichnen auch die kulturell und historisch interessanten St dte Madrid, Barcelona, Valencia, Sevilla, C rdoba und Granada hohe Besucherzahlen. Bau und Betrieb der f r die vielen Besucher ben tigten Infrastruktur f hrten vor allem in den K stenregionen zu intensiven wirtschaftlichen und kologischen Ver nderungen. W hrend im Tourismussektor kontinuierlich neue Arbeitspl tze geschaffen werden konnten, kam es andererseits durch den Bau von Hotels und Verkehrswegen zu Belastungen. Probleme sind dabei vor allem der hohe Wasserbedarf der Hotelanlagen, Entsorgung und L rm.

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GESCHICHTE

Die fr hesten Zeugnisse einer Besiedlung der Iberischen Halbinsel sind H hlenzeichnungen aus dem Pal olithikum, die im Umkreis des Kantabrischen Gebirges gefunden wurden. Von der f r den Norden charakteristischen Kultur war die sp tere neolithische Almer akultur (etwa 3000 v. Chr.) im S dosten Spaniens grundlegend verschieden. Die Almer akultur zeigte deutliche nordafrikanische Einflusse, denn hier, im S den, begann die Besiedlung durch die Iberer, ein urspr nglich nordafrikanisches Volk. Um 1000 v. Chr. hatten sich die Iberer zum bedeutendsten ethnischen Element auf der Halbinsel entwickelt. Ein anderes Volk, das ebenfalls einen bedeutenden Einfluss auf die kulturelle Entwicklung der Halbinsel hatte, waren die Kelten, die etwa im 6. Jahrhundert v. Chr. im Zuge einer V lkerwanderung von Frankreich her eindrangen. Die dann auftretenden Keltiberer waren wahrscheinlich nicht, wie man lange annahm, eine Mischbev lkerung aus Kelten und Iberern, sondern mit diesem Begriff wurden alle oder einzelne keltische St mme auf der Iberischen Halbinsel bezeichnet.

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Altertum und Mittelalter

Vermutlich liefen schon seit dem 3. Jahrtausend v. Chr. Seefahrer aus dem stlichen Mittelmeer die Iberische Halbinsel an; nachweislich gr ndeten um 1100 v. Chr. Ph niker (siehe Ph nikien) die Kolonie Gadir an der Stelle des heutigen C diz als Handelsst tzpunkt. Ab dem 7. Jahrhundert v. Chr. errichteten auch Griechen, u. a. von Massalia (Marseille) aus, Kolonien an der iberischen Mittelmeerk ste bis in den S den, in die Gegend des heutigen M laga, und wagten sich gelegentlich sogar ber die S ulen des Herkules , die Stra e von Gibraltar, hinaus bis in den Atlantik vor. Ab dem 5. Jahrhundert v. Chr. dehnten die Karthager von Nordafrika aus ihren Einfluss ber den S dosten der Iberischen Halbinsel aus und brachten hier die bereits bestehenden Kolonien unter ihren Einfluss. In der zweiten H lfte des 3. Jahrhunderts v. Chr. sicherte und erweiterte Karthago seinen Herrschaftsbereich auf der Iberischen Halbinsel systematisch: Ab 237 v. Chr. brachten die karthagischen Feldherren Hamilkar Barkas, Hasdrubal und Hannibal den S den und Osten der Halbinsel bis zum Fluss Ebro unter ihre Gewalt und gr ndeten weitere Kolonien, u. a. Carthago Nova, das heutige Cartagena. Vermutlich 226 v. Chr. schloss Hasdrubal mit den von Gallien her auf die Iberische Halbinsel vordringenden R mern den Ebrovertrag, in dem sich beide Seiten wohl auf den Ebro als Grenze ihrer jeweiligen Herrschaftsbereiche einigten.

219 v. Chr. belagerte und eroberte Hannibal vermutlich unter Bruch des Ebrovertrages Saguntum (heute Sagunto), das unter r mischem Schutz stand, und l ste damit den 2. Punischen Krieg (218-201 v. Chr.) aus. 209 v. Chr. eroberte der r mische Feldherr Scipio Africanus der Altere Carthago Nova und verdr ngte in der Folge die Karthager von der Iberischen Halbinsel. Im Friedensschluss zwischen Rom und Karthago am Ende des 2. Punischen Krieges 201 v. Chr. musste Karthago seinen Besitz auf der Iberischen Halbinsel an Rom abtreten. Vier Jahre sp ter richtete Rom hier die Provinzen Hispania Citerior im Nordosten und Hispania Ulterior im S den ein.

Zwar widersetzte sich die einheimische Bev lkerung, vor allem die Lusitanier und die Keltiberer, in mehreren Aufst nden der r mischen Herrschaft. Dennoch gelang es den R mern bis 19 v. Chr., als Augustus die Eroberung des Nordwestens abschloss, die gesamte Halbinsel unter ihre Gewalt zu bringen. In der Folgezeit gliederten die R mer die Verwaltung der Halbinsel mehrmals neu, bis sie zuletzt unter Diokletian in sechs Provinzen, zu einer Di zese zusammengeschlossen, eingeteilt wurde. Die Erschlie ung durch Stra en und die Romanisierung der Halbinsel schritten rasch voran; im R mischen Kaiserreich war die Iberische Halbinsel eine der wirtschaftlich bedeutendsten Regionen: Die iberische Landwirtschaft war einer der gr ten Getreide-, l- und Weinlieferanten Roms, und der Bergbau belieferte das Imperium mit Eisen, Kupfer, Blei und vor allem Gold und Silber.

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Spanien zur Zeit der Westgoten

409 n. Chr. drangen Alanen, Wandalen und Sweben ber die Pyren en auf die Iberische Halbinsel vor. Ihnen folgten wenig sp ter die Westgoten, die Westrom gegen die Eindringlinge zu Hilfe gerufen hatte. Um 419 errichteten die Westgoten als Foederaten Roms in S dfrankreich das Tolosanische Reich und dehnten ihren Herrschaftsbereich in der Folgezeit nach Norden und S den kontinuierlich aus. Unter K nig Eurich (Regierungszeit 466-484) erlebte das Tolosanische Reich seine gr te territoriale Ausdehnung: Es umfasste die gesamte Iberische Halbinsel mit Ausnahme des von den Sweben beherrschten Nordwestens und reichte im Norden bis zur Loire. Mit dem Untergang des Westr mischen Reiches 476 endete auch die ohnehin nur nominelle Oberhoheit Roms ber das Tolosanische Reich.

Nach dem Sieg des Frankenk nigs Chlodwig I. ber die Westgoten 507 war deren Herrschaftsbereich auf die Iberische Halbinsel beschr nkt. Neue Hauptstadt des Westgotenreiches wurde Toledo. 585 besiegten die Westgoten unter K nig Leowigild (568-586) die Sweben und vereinten damit die ganze Iberische Halbinsel unter einer Herrschaft. Leowigilds Nachfolger Rekkared I. (586-601) trat 587 zusammen mit zahlreichen f hrenden Pers nlichkeiten vom Arianismus zum Katholizismus ber, und etwa Mitte des 7. Jahrhunderts wurde schlie lich auch ein einheitliches Gesetz f r die westgotische und die romanische Bev lkerung erlassen, so dass nun auch die kirchliche und die rechtliche Einheit hergestellt war.





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Spanien unter den Mauren

711 wurde Roderich, der letzte Westgotenk nig in Spanien, am R o Barbate bei Jerez de la Frontera von nordafrikanischen Mauren vernichtend geschlagen. Die Mauren waren urspr nglich im westgotischen Thronstreit zu Hilfe gerufen worden; nun aber brachten sie innerhalb weniger Jahre fast die gesamte Iberische Halbinsel unter ihre Herrschaft. 719 stie en die Mauren ber die Pyren en nach Norden vor, beschr nkten sich nach ihrer verheerenden Niederlage gegen die Franken unter Karl Martell in der Schlacht bei Tours und Poitiers 732 aber wieder auf die Iberische Halbinsel. Das maurische Spanien wurde zun chst als abh ngige Provinz des Omaijadenkalifats von Damaskus verwaltet; ab 717 stand das Land unter der Herrschaft von Emiren, die von den Kalifen (siehe Kalifat) ernannt wurden. Die Emire allerdings vernachl ssigten oftmals in hohem Ma e ihre Pflichten, so dass in den folgenden 40 Jahren aufgrund von Missherrschaft und -wirtschaft insgesamt 20 Emire ernannt bzw. abgesetzt wurden.

Nach dem Sturz der Omaijaden durch die Abbasiden in Damaskus 749 kam es auch im maurischen Spanien zu heftigen Auseinandersetzungen um die Macht. 756 gelang es dem Omaijaden Abd ar-Rahman I. (756-788), sich mit Hilfe der Omaijaden-Anh nger durchzusetzen: Er eroberte C rdoba und errichtete das unabh ngige Emirat von C rdoba. Der politischen Unabh ngigkeit folgte die religi se, als Abd ar-Rahman III. (912-961) 929 das Emirat zum Kalifat erhob.

Im 10. Jahrhundert erlebte das Kalifat von C rdoba eine beispiellose politische, wirtschaftliche und kulturelle Bl tezeit. C rdoba selbst hatte sich neben Konstantinopel zur pr chtigsten Stadt Europas entwickelt, und die maurische Kultur war dem Rest von Europa weit berlegen. Kunst, Literatur, Philosophie und Wissenschaft hatten einen u erst hohen Stellenwert. Aristoteles z. B. wurde hier schon lange studiert, bevor sein Name im christlichen Abendland bekannt wurde, und viele der Kalifen waren selbst bedeutende Dichter und Schriftsteller. F r das hohe Niveau der Kunst sind die maurischen Bauten in C rdoba oder die Alhambra in Granada nur einige wenige Beispiele (siehe islamische Kunst und Architektur). Zudem herrschte im Kalifat von C rdoba eine beispiellose Toleranz: Christen (die so genannten Mozaraber) wie Juden genossen volle Duldung und nahmen gleichberechtigt am kulturellen und wirtschaftlichen Leben teil. Voraussetzung f r diese kulturelle Bl te und politische Stabilit t war eine hoch entwickelte Wirtschaft und ein florierender Handel. Nahezu der gesamte S den wurde durch effektive Bew sserungssysteme einer ertragreichen Landwirtschaft erschlossen.

Nach dem Sturz des letzten Omaijaden in C rdoba 1031 zerfiel das muslimische Spanien in eine Reihe von kleineren F rstent mern, die nun, zum Teil untereinander verfeindet, zur leichten Beute der christlichen Reconquista wurden. Lediglich das K nigreich Granada konnte sich bis 1492 behaupten.

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Die christlichen Königreiche

Im Norden der Iberischen Halbinsel konnten sich bereits kurz nach der muslimischen Eroberung wieder christliche Staatswesen bilden. Als erstes christliches Herrschaftsgebilde entstand nach 718 das K nigreich Asturien, das von westgotischen Adligen unter der F hrung von Pelayo errichtet wurde. Pelayos Schwiegersohn Alfons eroberte fast ganz Galicien, brachte gro e Teile von Le n unter seine Herrschaft und wurde schlie lich als Alfons I. (739-757) zum K nig von Le n und Asturien gekr nt. Unter Alfons III. (866-910) geh rte bereits der gesamte Nordwesten bis zum Duero zum K nigreich von L on und Asturien. Zu Beginn des 10. Jahrhunderts dehnten die K nige von Le n ihr Herrschaftsgebiet Richtung Osten bis Burgos aus. Aufgrund der Kastelle, die hier zum Schutz der neu eroberten Gebiete und der neu angesiedelten Bauern errichtet wurden, wurde diese Region Castilla oder Kastilien genannt. Unter Fern n Gonz lez l ste sich das unterdessen zur Gro grafschaft erhobene Kastilien um 932 weitgehend aus der Oberhoheit Le ns.

Navarra, das vollst ndig unter maurische Herrschaft geraten war, wurde 905 von Sancho I. (905-925) zum K nigreich erhoben und territorial nach Norden wie nach S den erweitert. Sancho III. (um 1000 bis 1035) brachte zudem Aragonien, Asturien, Kastilien und Teile Le ns unter seine Herrschaft und etablierte Navarra vor bergehend als F hrungsmacht im christlichen Spanien. Nach dem Tod Sanchos III. zerfiel das Reich wieder in die Einzelstaaten Navarra, Aragonien und Kastilien. In Kastilien bernahm 1035 Sanchos Sohn Ferdinand I. (1035-1065) die Herrschaft und erstmals den K nigstitel; 1037 erwarb er via Erbrecht und Krieg das K nigreich Le n, das jedoch erst 1230 endg ltig mit Kastilien zum K nigreich Kastilien und Le n vereinigt wurde. Unter Ferdinand erlebte Kastilien einen bedeutenden Machtzuwachs, und 1054 nahm Ferdinand als m chtigster Herrscher im christlichen Spanien den Kaisertitel an. Die Konsolidierung der christlichen K nigreiche im Norden auf der einen und der Zerfall des Kalifats von C rdoba auf der anderen Seite leiteten nun die Phase der christlichen Reconquista des muslimischen Spanien ein.

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Die Reconquista

Ferdinands Sohn, Alfons VI. von Le n (1065-1109), als Alfons I. auch K nig von Kastilien (1072-1109), eroberte 1085 das maurische F rstentum Toledo. Bereits im folgenden Jahr wurde er jedoch von den in Sevilla herrschenden Abbadiden, unterst tzt von den Almoraviden aus Nordafrika, besiegt. Nach ihrem Sieg ber Alfons brachten die Almoraviden rasch das ganze muslimische Spanien unter ihre Herrschaft und setzten der Reconquista ein vorl ufiges Ende. Aber bereits 1147 wurden die Almoraviden von den ebenfalls aus Nordafrika eingedrungenen Almohaden gest rzt. Gegen Ende des 12. Jahrhunderts nahmen die christlichen K nige die Reconquista mit Nachdruck wieder auf: 1212 f gten die vereinigten christlichen Heere unter der F hrung von Alfons VIII. von Kastilien bei Las Navas de Tolosa den Mauren eine entscheidende Niederlage zu; 1236 wurde C rdoba erobert, 1238 Valencia, 1246 Ja n, 1248 Sevilla und 1262 C diz. Nur das K nigreich Granada blieb noch unter muslimischer Herrschaft, war nun allerdings zumindest nominell von Kastilien und L on lehnsabh ngig.

Im christlichen Spanien dominierten nun die beiden Machtbl cke Kastilien-Le n und Aragonien. Bereits 1118 hatte Aragonien unter Alfons I. Zaragoza von den Mauren erobert und somit seine Grenze weit nach S den vorgeschoben; 1137 fiel Katalonien einschlie lich der Grafschaft Barcelona auf dem Heiratswege an Aragonien, und in der zweiten H lfte des 12. Jahrhunderts erwarb Aragonien zudem weite Teile S dfrankreichs. 1235 hatte Aragonien die Eroberung der muslimisch beherrschten Balearen abgeschlossen, 1282 eroberte es Sizilien, 1326 Sardinien, und 1442 erwarb Alfons V. das K nigreich Neapel. Damit hatte sich Aragonien als Vormacht im westlichen Mittelmeer etabliert; Katalonien, insbesondere Barcelona, stieg zur Wirtschafts- und Handelsmacht von europ ischem Rang auf.

Politisch war das aragonesische Reich f deralistisch strukturiert mit je eigenen Verfassungen in den Teilreichen; dem K nig standen starke Cortes gegen ber, die allerdings die Macht des K nigs kaum zu beschr nken vermochten. Kastilien-Le n war zentralistisch regiert, und auch hier gab es m chtige St ndevertretungen, die sich einen nahezu st ndigen Kampf mit dem K nigtum um die Macht lieferten.

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Spanien in der frühen Neuzeit

Die Heirat der Erbin von Kastilien und Le n, Isabella I., mit dem Erben von Aragonien, Ferdinand II., im Jahr 1469 schuf die Grundlagen f r die Entstehung des K nigreiches Spanien. Ab 1474 herrschten Isabella und Ferdinand gemeinsam als gleichberechtigte Monarchen in Kastilien und Le n, und als Ferdinand 1479 den aragonesischen Thron bernahm, waren die beiden Reiche in Personalunion verbunden. Eine tats chliche Vereinigung der beiden K nigreiche kam jedoch u. a. aufgrund des Widerstands des Adels in den beiden Reichen vorerst nicht zustande, die unterschiedlichen Strukturen blieben vorl ufig erhalten.

Innenpolitisch konzentrierten sich Isabella und Ferdinand auf Kastilien: Hier konnten sie, gest tzt auf die St dte, die Macht des Adels und der Cortes zur ckdr ngen und wieder eine zentralistische Herrschaft errichten. Ein wichtiges Instrument dabei war die 1480 eingef hrte Inquisition, die zun chst nur f r die Kirche gedacht war, sich aber zunehmend zu einem zentralen politischen Mittel entwickelte, vor allem gegen den Adel, aber auch gegen die Juden. In Spanien war die Inquisition eine staatliche, nicht etwa ein kirchliche Institution.

In ihrem Bestreben nach staatlicher Einheit der Iberischen Halbinsel nahmen Isabella und Ferdinand die Reconquista wieder auf, die 1492 mit dem Fall Granadas ihren Abschluss fand. Ihre Bem hungen, ber Heiraten auch Portugal ihren Reichen anzugliedern, scheiterten jedoch. Der territorialen Einheit sollte die religi se folgen: 1492 erlie en Isabella und Ferdinand ein Edikt, dem zufolge die Juden entweder zum christlichen Glauben zu konvertieren oder das Land zu verlassen hatten. Es setzte eine umfassende Verfolgungswelle ein, in deren Verlauf Zehntausende spanischer Juden, so genannte Sephardim, das Land verlie en und in Kultur und Wirtschaft erhebliche L cken hinterlie en. Die in Spanien verbliebenen Mauren genossen zun chst noch einige Toleranz: Die nicht getauften wurden erst zu Beginn des 16. Jahrhunderts vertrieben, und die getauften, die Morisken, mussten 1609 das Land verlassen. 1496 wurde Isabella und Ferdinand vom Papst der Ehrentitel Katholische K nige (Reyes Cat licos) verliehen.

Historisch am folgenreichsten war eine zun chst eher unbedeutende Ma nahme: 1492 sicherten Isabella und Ferdinand Christoph Kolumbus die Finanzierung seiner Suche nach einem neuen, k rzeren Seeweg nach Indien zu. Die Suche m ndete in der Entdeckung der Neuen Welt durch die Europ er und der Inbesitznahme weiter Teile des amerikanischen Kontinents durch Spanien.

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Auf dem Weg zur Weltmacht

Die neue St rke Kastiliens manifestierte sich in der Tatsache, dass dieses Land in der Lage war, sowohl ein riesiges Imperium in bersee aufzubauen wie auch gleichzeitig die Vorherrschaft in Europa zu bernehmen. Die Reisen des Kolumbus brachten allerdings zun chst lediglich entt uschende Resultate. Die spektakul re Expansion Spaniens auf dem amerikanischen Kontinent begann erst im fr hen 16. Jahrhundert mit der Zerst rung des Aztekenreiches in Mexiko durch Hern n Cort s 1521 und der Eroberung des Inkareiches in Peru durch Francisco Pizarro 1533. Mitte des 16. Jahrhunderts hatte Spanien nahezu den gesamten s damerikanischen Kontinent, Mittelamerika, Florida sowie die philippinischen Inseln unter seine Herrschaft gebracht. Bereits 1494 hatten Kastilien und Portugal, die zweite bedeutende Seefahrer- und Entdeckernation, im Vertrag von Tordesillas die Neue Welt untereinander aufgeteilt. Die Neue Welt belieferte das Mutterland neben anderen Kolonialwaren vor allem mit gro en Mengen an Edelmetallen wie Gold und Silber, die jedoch auf lange Sicht kaum zur Stabilisierung der Staatsfinanzen beitrugen; Spanien trug das Christentum in die Neue Welt. Die zum Teil gewaltsame Missionierung der einheimischen Bev lkerung stand unter k niglichem Patronat.

Noch vor seinem Aufstieg zur beherrschenden Macht in der Neuen Welt begann Spaniens Aufstieg zur Vormacht in Europa. Den Grundstein daf r legte Ferdinand II. sowohl mit diplomatischen wie auch mit milit rischen Mitteln. Hauptgegner war Frankreich, und zwar sowohl an der spanisch-franz sischen Grenze als auch in S ditalien. 1504 brachte Ferdinand das zeitweise franz sische Neapel wieder unter spanische Herrschaft und machte es zum spanischen Vizek nigreich, und 1512/15 eroberte er das s dliche Navarra. Daneben suchte er ber dynastische Heiraten das B ndnis mit anderen antifranz sischen Kr ften in Europa: Eine Tochter, Katharina von Aragonien, verheiratete er mit dem englischen Thronfolger Arthur (dem fr h verstorbenen lteren Bruder des sp teren Heinrichs VIII., der Arthur nicht nur als Thronfolger, sondern auch als Ehemann Katharinas nachfolgte); eine zweite Tochter, Johanna, verheiratete er mit Philipp dem Sch nen, dem Sohn Kaiser Maximilians I. aus dem Hause Habsburg. Nach dem Tod Isabellas 1504 erbte Johanna das K nigreich Kastilien; und nach dem Tod Philipps des Sch nen 1506 bernahm Ferdinand f r die unterdessen dem Wahnsinn verfallene Johanna wieder die Regentschaft in Kastilien.

Ferdinand starb 1516. Die K nigreiche Kastilien und Aragonien fielen nun an Karl I. (1516-1556), den Sohn von Johanna und Philipp; damit waren die beiden K nigreiche unter einer Krone vereint. Schon bald b rgerte sich f r Karl der Titel K nig von Spanien ein, ohne dass jedoch die Einzeltitel K nig von Kastilien und K nig von Aragonien sogleich aufgegeben worden w ren.

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Karl V.

Bereits 1506 hatte Karl von seinem Vater das habsburgische Burgund mit den Niederlanden geerbt; nach dem Tod Kaiser Maximilians 1519 fielen ihm zudem noch die sterreichischen Erblande zu (die er jedoch 1521 seinem Bruder Ferdinand I. berlie ). Zudem wurde er 1519 als Karl V. zum K nig des Heiligen R mischen Reiches gew hlt (und 1530 zum Kaiser gekr nt). Karl war der bei weitem m chtigste Monarch seiner Zeit: Sein Reich umfasste Spanien mit seinen Besitzungen in Italien und Amerika, Burgund und die Niederlande sowie die sterreichischen Erblande.

Karl, in Flandern aufgewachsen und der spanischen Sprache nicht m chtig, st tzte sich in Spanien auf eine Reihe burgundischer und niederl ndischer Berater, die zum Teil ma geblich die Politik des K nigs bestimmten. Gegen diese Ausl nder, vor allem aber gegen die absolutistischen, zentralistischen Tendenzen der k niglichen Politik, erhoben sich ab 1520 die so genannten Comuneros vor allem St dte wie Toledo und Segovia und der niedere Adel in mehreren Aufst nden, die bis 1522 u. a. mit Hilfe des Hochadels alle niedergeschlagen waren. Der Widerstand gegen die Zentralgewalt war gebrochen, nach und nach wurden zentrale Institutionen f r die spanische Gesamtmonarchie eingerichtet, die Cortes wurden in die Bedeutungslosigkeit abgedr ngt.

Au enpolitisch dominierte neben der Eroberung der Neuen Welt der Konflikt mit Frankreich, der territorial um Italien und Burgund, dar ber hinaus um die Vormachtstellung in Europa gef hrt wurde. Schon nach dem ersten von insgesamt vier Kriegen gegen Frankreich hatte Karl 1525 ganz Italien unter spanische bzw. habsburgische Kontrolle gebracht und Spanien als Vormacht in Europa etabliert. Nach dem zweiten Krieg musste Karl 1529 lediglich das Herzogtum Burgund an Frankreich abtreten (siehe Friede von Cambrai); die weiteren Kriege nderten dann kaum etwas am Status quo. Ein weiterer au enpolitischer Schwerpunkt war der Kampf gegen die ungl ubigen Muslime sowohl auf dem Balkan hier direkt in Gestalt des Osmanischen Reiches als auch im westlichen Mittelmeerraum (siehe T rkenkriege). Im westlichen Mittelmeer sah Karl die spanischen und italienischen K sten von nordafrikanischen Muslimen bedroht, zudem breitete sich das Osmanische Reich entlang der nordafrikanischen Mittelmeerk ste Richtung Osten aus. Karls Unternehmen gegen die Muslime im westlichen Mittelmeerraum zeitigten jedoch kaum mehr als kurzfristige Erfolge: Zwar eroberte er 1535 Tunis, sein Vorsto gegen Algier 1541 scheiterte jedoch.

Obwohl Karl sich die meiste Zeit au erhalb von Spanien aufhielt und trotz der anf nglichen schweren innenpolitischen Konflikte, erfreute er sich in Spanien doch zunehmender Beliebtheit. Dieses Paradoxon l sst sich einerseits mit dem rasch wachsenden Wohlstand Spaniens erkl ren, der sowohl auf die Silber- und Goldimporte aus Amerika wie auch auf die steigende Produktion und den schwunghaft wachsenden Handel zur ckzuf hren war, andererseits auch mit dem Stolz der Spanier auf das Kaisertum ihres K nigs und die Weltmachtstellung ihres Landes. Die Kaiserw rde dauerhaft mit dem spanischen K nigtum zu verbinden, gelang Karl jedoch nicht: Die so genannte Spanische Sukzession , der zufolge sein Sohn die spanische Krone und die Kaiserw rde bernehmen sollte, scheiterte am Veto der deutschen Reichsf rsten.

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Philipp II.

1556 berlie Karl den spanischen Thron seinem Sohn Philipp II. (1556-1598), der zuvor schon die Regentschaft in Mailand, Neapel und den Niederlanden bernommen hatte. In Spanien selbst war die innenpolitische Situation beim Herrschaftsantritt Philipps relativ stabil; die Sicherung des umfangreichen au erspanischen Besitzes sowie die von Philipp mit Nachdruck betriebene Gegenreformation jedoch beschworen eine Reihe teils langwieriger, immer aber kostspieliger Kriege herauf. Die ersch pfenden Kriege mit Frankreich fanden im Frieden von Cateau-Cambr sis 1559 ein vorl ufiges Ende. Die folgenden vier Jahrzehnte wurde Frankreich von den Hugenottenkriegen ersch ttert und fiel in dieser Zeit als ernst zu nehmender Gegner Spaniens aus. Allerdings hatte Spanien 1558 mit dem Tod K nigin Marias I. Tudor, die seit 1554 mit Philipp verheiratet war und die Rekatholisierung ihres Landes anstrebte, England als B ndnispartner verloren.

1571 bernahm Spanien die F hrung der Heiligen Liga, die in der Seeschlacht von Lepanto den Osmanen eine vernichtende Niederlage beibrachte und damit den Niedergang der osmanischen Macht im Mittelmeerraum einleitete. Nach dem Tod K nig Heinrichs von Portugal 1580 setzte sich Philipp, der ber seine Mutter Isabella von Portugal Anspruch auf den portugiesischen Thron erheben konnte, gegen andere Anw rter durch, besetzte Portugal und wurde 1581 von den portugiesischen Cortes als K nig anerkannt. Durch die Vereinigung mit Portugal und dessen umfangreichem Territorialbesitz in Asien, Afrika und S damerika erreichte Spanien seine gr te territoriale Ausdehnung und wurde zum gr ten und bedeutendsten Reich seiner Zeit.

Die absolutistischen Tendenzen Philipps und seine rigide Rekatholisierungspolitik provozierten in den Niederlanden vor allem von den Protestanten, aber auch von den St nden getragene Aufst nde, die sich rasch zum langwierigen Niederl ndischen Freiheitskampf (1568-1648) entwickelten. Im Verlauf dieses Krieges sagten sich die sieben n rdlichen, vorwiegend calvinistischen Provinzen der Niederlande 1581 von Spanien los, die zehn s dlichen, vorwiegend katholischen verblieben als Spanische Niederlande bei Spanien. Der Krieg gegen die aufst ndischen niederl ndischen Provinzen beanspruchte nicht nur in hohem Ma e die Reserven Spaniens, sondern versch rfte auch den Konflikt mit England, das die aufst ndischen Niederl nder unterst tzte.

Unter K nigin Elisabeth I., die 1558 Maria I. Tudor auf den englischen Thron gefolgt war, etablierte sich England als protestantische Vormacht in Europa. Zugleich begann England seinen Aufstieg als Seemacht. Elisabeth tolerierte wohlwollend die bergriffe englischer Freibeuter wie Francis Drake auf spanische Schiffe und spanischen Besitz in der Neuen Welt. Sowohl konfessionell wie auch als Seemacht war Spanien in England eine ernst zu nehmende Konkurrenz erwachsen. Seit 1585 f hrten Spanien und England in den Niederlanden gegeneinander Krieg. 1588 entsandte Philipp die gewaltige Armada Richtung England; sie sollte England erobern und damit sowohl den Protestantismus in England beenden als auch die englische Unterst tzung f r die Niederlande und somit den Niederl ndischen Freiheitskampf. Die Armada erlitt jedoch im Armelkanal eine schwere Niederlage gegen die englische Flotte; ein briges tat ein verheerender Sturm, in den die Armada auf ihrer Flucht geriet und der einen Gro teil der noch verbliebenen Schiffe vernichtete oder schwer besch digte.

Das Unternehmen Armada hatte Spanien an den Rand des Bankrotts gebracht und den Niedergang Spaniens als See- und als Hegemonialmacht in Europa eingeleitet. Ebenso wie die Staatsfinanzen war auch die Wirtschaft zerr ttet, die Steuern waren dr ckend, das Gold und das Silber aus S damerika reichten bei weitem nicht mehr aus, die wachsenden Staatsschulden zu begleichen. Die Verwaltung hatte Philipp im Lauf der Zeit weiter strukturiert und zentralisiert (1561 verlegte er die Hauptstadt nach Madrid); die St nde waren aber weiter in ihrem Einfluss beschnitten worden, und seine rigide Religionspolitik provozierte auch in Spanien allenthalben Widerspruch und Widerstand. Parallel zum machtpolitischen Niedergang begann f r Kunst und Literatur in Spanien ein goldenes Zeitalter .

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Krise und Niedergang

In Abkehr von der Politik seines Vaters verfolgte Philipp III. (1598-1621) zun chst einen friedlichen Kurs: 1604 schloss er mit England Frieden und 1609 mit den Niederlanden einen Waffenstillstand. Ebenfalls 1609 verwies er die etwa 250 000 noch in Spanien verbliebenen Morisken des Landes, was eine weitere Ersch tterung der Wirtschaft zur Folge hatte.

Philipp IV. (1621-1665) zog die Kultur der Politik vor. W hrend seiner Herrschaft erreichte das goldene Zeitalter Spaniens seine h chste Bl te. Die Regierungsgesch fte berlie er weitgehend seinem Vertrauten Gaspar de Guzm n, Graf von Olivares. 1621 nahm Spanien den Krieg gegen die Niederlande wieder auf, zugleich nahm es auf Seiten der sterreichischen Habsburger am Drei igj hrigen Krieg (1618-1648) teil, was einen Wiederausbruch der offenen Feindseligkeiten zwischen Frankreich und Spanien zur Folge hatte. Die neuerlichen Kriege f hrten Spanien in den Bankrott, und die zunehmend dr ckenden Steuern provozierten 1640 Unruhen und Aufst nde in Portugal und Katalonien, in deren Verlauf sich Portugal von Spanien losl ste. Guzm ns Versuch, die alte Machtposition Spaniens wiederherzustellen, war innen- wie au enpolitisch gescheitert; 1643 wurde er, der die Kr fte seines Landes deutlich bersch tzt hatte, entlassen.

Im Westf lischen Frieden musste Spanien 1648 endg ltig die Unabh ngigkeit der Niederlande anerkennen; im Pyren enfrieden, der den seit 1635 andauernden Krieg mit Frankreich beendete, musste Spanien 1659 das Roussillon und die Cerdagne sowie Teile der Spanischen Niederlande an Frankreich abtreten; 1668 musste Spanien zudem offiziell die Unabh ngigkeit Portugals anerkennen. Spaniens Vormachtstellung in Europa war nun endg ltig gebrochen; zugleich begann der Aufstieg Frankreichs zur Hegemonialmacht. Begleitet wurde der machtpolitische Niedergang von einem wirtschaftlichen Verfall, der durch die allm hliche Ersch pfung der s damerikanischen Silberminen noch beschleunigt wurde.

Karl II. (1665-1700), ein schwacher und kr nklicher Herrscher, bzw. dessen G nstlinge, die die Regierungsgesch fte f r ihn f hrten, war nicht in der Lage, den Niedergang Spaniens aufzuhalten; die neuerliche Verwicklung in Kriege gegen Frankreich unter Ludwig XIV. brachten Spanien im Gegenteil weitere territoriale Verluste ein.



Spanischer Erbfolgekrieg

Mit dem Tod Karls II. erlosch die m nnliche Linie der spanischen Habsburger. Vor seinem Tod hatte Karl testamentarisch seinen Gro neffen Philipp von Anjou, einen Enkel Ludwigs XIV. aus dem Hause Bourbon, zum Nachfolger bestimmt (Karls Schwester Maria Theresie war infolge des Pyren enfriedens 1560 mit Ludwig XIV. verheiratet worden). Nach Karls Tod bestieg Philipp als Philipp V. den spanischen Thron, verzichtete allerdings nicht, wie in Karls Testament vorgesehen, auf seinen Anspruch auch auf den franz sischen Thron. Demgegen ber rief Kaiser Leopold I., der f r die sterreichischen Habsburger ebenfalls Anspr che auf den spanischen Thron anmelden konnte, seinen j ngeren Sohn Karl, den sp teren Kaiser Karl VI., zum spanischen K nig aus. Unterst tzt wurde er von der Gro en Allianz, zu der sich einige europ ische M chte zusammengeschlossen hatten, um eine drohende spanisch-franz sische Vereinigung und somit eine das europ ische Gleichgewicht ersch tternde bourbonisch Hegemonie in Europa und in bersee zu verhindern.

Am Ende des nun folgenden Spanischen Erbfolgekrieges (1701-1713/14) wurde Philipp V. im Frieden von Utrecht als spanischer K nig anerkannt unter der Bedingung, dass Spanien und Frankreich getrennte K nigreiche bleiben. Zudem musste Spanien auf alle europ ischen Besitzungen au erhalb Spaniens verzichten; sie gingen zum gro en Teil an die sterreichischen Habsburger ber.

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Die ersten Bourbonen

Unter Philipp V. (1700-1746) stand zun chst die innere Konsolidierung Spaniens im Vordergrund der Politik. Im Sinne des Absolutismus wurde die Zentralgewalt weiter gest rkt bei gleichzeitigem Abbau berkommener Sonderrechte in den Reichsteilen wie etwa in Katalonien und Aragonien. Umfangreiche Reformen erh hten die Effizienz der Verwaltung und reduzierten zugleich die Privilegien von Kirche und Adel. Handel und Wirtschaft wurden gef rdert und begannen allm hlich wieder zu florieren, die amerikanischen Kolonien wurden umstrukturiert und ihre Handelsbeziehungen zum Mutterland ausgebaut. Die Staatsfinanzen blieben jedoch weiterhin zerr ttet.

Die Au enpolitik der ersten Bourbonen war durch ein enges, mehrmals (1733, 1743, 1761) durch bourbonische Familienpakte gefestigtes B ndnis mit Frankreich gepr gt; Hauptgegner als See- und Kolonialmacht war nach wie vor Gro britannien. Spaniens Eingreifen auf der Seite Frankreichs in den Polnischen Erbfolgekrieg (1733-1735) und den sterreichischen Erbfolgekrieg (1740-1748) brachte u. a. Neapel-Sizilien, das 1713 hatte abgetreten werden m ssen, wieder in spanischen Besitz. Unter Karl III. (1759-1788) beteiligte sich Spanien ab 1761 wieder auf der Seite Frankreichs am Siebenj hrigen Krieg (1756-1763) und verlor zwar Florida an Gro britannien, erhielt aber von Frankreich Louisiana westlich des Mississippi. Ab 1779 k mpfte Spanien im B ndnis mit Frankreich im Nordamerikanischen Unabh ngigkeitskrieg (1776-1783) erneut gegen Gro britannien, gewann im Frieden von Paris 1783 Florida zur ck und war nun auch in Nordamerika machtvoll pr sent. Durch eine Reihe von Abkommen mit nordafrikanischen M chten sowie dem Osmanischen Reich baute Karl III. zudem den Einfluss Spaniens im Mittelmeerraum wieder aus. Insgesamt hatte sich Spanien nun wieder als eine der st rksten M chte in Europa etabliert und seine alte au enpolitische Gr e zumindest teilweise wieder zur ckerobert.

Parallel zum au enpolitischen Wiederaufstieg schritt die Konsolidierung im Inneren fort: Als aufgekl rt-absolutistischer Herrscher leitete Karl III. eine Reihe von Reformen in Verwaltung und Heer ein und f rderte Wirtschaft und Handel.

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Auswirkungen der Französischen Revolution

Karl IV. (1788-1808) setzte die Reformpolitik seines Vaters Karl III. fort; aber sein G nstling Manuel de Godoy, der ab 1792 als Erster Minister die Regierungsgesch fte f hrte, vernichtete durch seinen wechselhaften au enpolitischen Kurs sowie durch G nstlingswirtschaft, Korruption und Intrigen im Inneren einen Gro teil der au en- und innenpolitischen Errungenschaften der vorangegangenen Jahrzehnte. Nach Ausbruch der Franz sischen Revolution f hrte Godoy Spanien auf der Seite der antifranz sischen M chte 1793 in den 1. Koalitionskrieg (1792-1797) gegen Frankreich; nach dem Basler Frieden von 1795 wechselte er jedoch auf die Seite Frankreichs gegen die Koalition, in der Hoffnung, mit Unterst tzung Frankreichs die spanische Position auf Kosten Gro britanniens und Portugals ausbauen zu k nnen. Diese Entscheidung erwies sich als verh ngnisvoll: Der britischen bermacht zur See war Spanien nicht gewachsen; Spanien war nun weitgehend von seinen Kolonien in Amerika abgeschnitten mit katastrophalen Folgen f r die Wirtschaft. Zudem wuchs die Abh ngigkeit von Frankreich, dem 1800 Louisiana wieder abgetreten wurde. Und in der Seeschlacht von Trafalgar 1805 gegen Gro britannien verlor Spanien schlie lich seine gesamte Flotte und wurde nun vollends zur Marionette Frankreichs.

Im M rz 1808 nutzte Napoleon die Aufst nde gegen Godoy und sein korruptes Regiment und griff in die inneren Angelegenheiten Spaniens ein: Er veranlasste Karl IV. zur Abdankung zugunsten von dessen Sohn Ferdinand VII., bereits im Mai 1808 zwang er auch Ferdinand zum Verzicht auf die Krone und setzte wenig sp ter seinen Bruder Joseph Bonaparte als spanischen K nig ein.

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Unabhängigkeitskrieg

Bereits am 2. Mai 1808 eskalierte in Madrid der Widerstand der Spanier gegen die franz sische Fremdherrschaft in einem Aufstand, der sich rasch zum Spanischen Unabh ngigkeitskrieg ausweitete. Den napoleonischen Truppen hatte das spanische Heer wenig entgegenzusetzen; aber dank ihrer neuen Strategie des Kleinkrieges (Guerilla) und mit Unterst tzung durch britische Truppen unter Arthur Wellesley, dem sp teren Herzog von Wellington, gelangen den Spaniern 1812/13 einige Siege ber die franz sischen Truppen, und Ende 1813 waren die Franzosen aus Spanien vertrieben.

Unterdessen waren 1810 in C diz die Cortes wieder zusammengetreten. 1812 verabschiedeten sie eine liberale Verfassung, die als Staatsform eine konstitutionelle Monarchie mit alleiniger Gesetzgebungskompetenz der Cortes vorsah und die Abschaffung der Inquisition festschrieb. Diese Verfassung war f r ihre Zeit beraus fortschrittlich und wurde zur Grundlage der nachfolgenden Verfassungsentwicklung in Spanien.

Der Unabh ngigkeitskrieg in Spanien griff auch auf die spanischen Kolonien in S d- und Zentralamerika ber; allerdings k mpfte man hier nicht gegen die Fremdherrschaft seitens eines Drittlandes, sondern f r die Unabh ngigkeit vom Mutterland Spanien. Ab 1814 entsandte Spanien verst rkt Truppen in die Kolonien, die sich jedoch nicht gegen die Unabh ngigkeitsbewegungen durchsetzen konnten. Bis 1825 hatten sich alle spanischen Kolonien auf dem s d- und zentralamerikanischen Festland die Unabh ngigkeit erk mpft, 1819 wurde zudem Florida an die USA verkauft. Vom spanischen Kolonialreich in Amerika waren nur noch die Inseln Kuba und Puerto Rico brig geblieben. Mit den Kolonien hatte Spanien auch deren Ressourcen verloren.

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Die Krise der Monarchie

1814 kehrte Ferdinand VII. (1814-1833) auf den spanischen Thron zur ck. Er widerrief die Verfassung von 1812, f hrte die absolute Monarchie wieder ein und leitete, gest tzt vor allem auf den Klerus, einen reaktion r-restaurativen Kurs ein. 1820 zwang ihn jedoch eine von den Liberalen angef hrte Revolution, die Verfassung von 1812 anzunehmen, die Inquisition, die er wieder eingef hrt hatte, abzuschaffen und zumindest einen Teil des Kirchengutes einzuziehen. Allerdings spalteten sich die Liberalen bald in eine gem igte und eine radikale Fraktion, so dass die Heilige Allianz, die zugunsten der Monarchie in Spanien einzugreifen beschlossen hatte, 1823 leichtes Spiel hatte, die Liberalen zu berwinden und das absolute K nigtum wiederherzustellen.



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Beginn der Karlistenkriege

Ferdinand, der ohne m nnlichen Erben geblieben war, bestimmte 1830 in der Pragmatischen Sanktion seine Tochter Isabella zu seiner Nachfolgerin. 1833 bestieg die erst Dreij hrige als Isabella II. (1833-1868) den Thron; die Regentschaft bernahm ihre Mutter Maria Christina. Gegen diese Regelung erhob jedoch der j ngere Bruder Ferdinands, Don Carlos, Widerspruch, unterst tzt von klerikalen, restaurativen Kr ften, den so genannten Karlisten, und lie sich selbst zum K nig ausrufen. Der Konflikt zwischen Karlisten und liberalen Cristinos, den Anh ngern der Regentin Maria Christina, eskalierte 1834 in einem langwierigen, blutigen B rgerkrieg, dem 1. Karlistenkrieg, der erst 1839 mit Hilfe der Quadrupelallianz zugunsten Isabellas und Maria Christinas entschieden werden konnte. In der Auseinandersetzung konnten sich die Karlisten auf die teils konservativ-katholischen, nach wie vor die Zentralregierung ablehnenden Randregionen wie die baskischen Provinzen, Katalonien, Navarra und Aragonien st tzen.

Um die Unterst tzung der gem igten Liberalen, der Moderados, nicht zu verlieren, hatte Maria Christina 1834 eine relativ liberale Verfassung erlassen. 1837 musste sie jedoch die weiter gehende Verfassung von 1812 wiederherstellen, nachdem im Jahr zuvor die radikalen Liberalen, die Progressisten, durch einen Aufstand an die Macht gekommen waren. 1840 zwangen die Progressisten unter Joaqu n Baldomero Espartero Maria Christina zur Abdankung; Espartero bernahm selbst die Regentschaft f r Isabella, wurde jedoch 1843 von den Gem igten gest rzt. Ebenfalls 1843 wurde Isabella f r m ndig erkl rt.

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Krise und Revolution

Die Regierungszeit Isabellas war von hoher innenpolitischer Instabilit t gepr gt, von h ufigen Regierungswechseln und permanenten Auseinandersetzungen zwischen den Parteien: den Progressisten, den Moderados, die einen zunehmend konservativen Kurs verfolgten, und der neu formierten Uni n Liberal (Unionisten), die sich zwischen den beiden Parteien ansiedelte. Die Regierung f hrte zumeist Ram n Mar a de Narv ez von den Moderados; lediglich von 1854 bis 1856 waren nach einem erfolgreichen Aufstand liberaler Milit rs die Progressisten an der Macht und von 1858 bis 1863 die Unionisten. Narv ez und die zunehmend klerikal-absolutistisch eingestellte K nigin trugen erheblich zur innenpolitischen Polarisierung bei, die auch von den Progressisten und den Unionisten w hrend ihrer kurzen Regierungszeiten nicht abgebaut werden konnten. 1868 schlie lich zwangen die Progressisten unter General Juan Prim y Prats im B ndnis mit den Unionisten unter Franciso Serrano y Dom nguez durch eine Milit rrevolte, die glorreiche Revolution , Isabella zur Abdankung.

Gegen den Widerstand der Republikaner setzten die F hrer der Revolution, Prim und Serrano, per Verfassung eine konstitutionelle Monarchie durch und trugen die spanische Krone Leopold von Hohenzollern-Sigmaringen an (siehe spanische Thronkandidatur). Nach dessen Verzicht w hlten die Cortes Prinz Amadeus, den Sohn K nig Viktor Emmanuels II. von Italien, zum K nig. Der nahm die Krone zwar an, konnte sich jedoch nicht durchsetzen und trat 1873 vor dem Hintergrund eines weiteren (des dritten) Karlistenkrieges und des andauernden, blutigen Kubanisch-Spanischen Krieges (1868-1878) um die Unabh ngigkeit Kubas wieder zur ck. Die Cortes riefen nun die Republik aus woraufhin Spanien in nahezu anarchische Zust nde versank: Den untereinander zerstrittenen Republikanern gelang es nicht, eine funktionsf hige, starke Regierung zu bilden, die den zahlreichen, sozialistisch gepr gten Aufst nden in zahlreichen St dten wie den erstarkenden Karlisten ausreichenden Widerstand h tte entgegensetzen k nnen. Schlie lich gewannen die Anh nger des bourbonischen K nigtums die Oberhand und brachten mit Isabellas Sohn Alfons XII. (1874-1885), zu dessen Gunsten Isabella 1870 offiziell abgedankt hatte, die Bourbonen auf den spanischen Thron zur ck.

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Restauration der Monarchie

Die Regierungszeit Alfons XII. (1874-1885) war von innerer Konsolidierung gekennzeichnet. 1876 wurde der 3. Karlistenkrieg beendet, und im selben Jahr wurde auch eine neue Verfassung verabschiedet, die ein Zweikammerparlament etablierte und bis 1931 in Kraft blieb. Nach englischem Vorbild wurde auch ein Zweiparteiensystem geschaffen, das ein hohes Ma an politischer Stabilit t garantieren sollte. Die beiden gro en Parteien, die Konservativen und die Liberalen (die sich inhaltlich nicht wesentlich unterschieden) bestimmten nun, abwechselnd regierend, die spanische Politik; alle anderen Kr fte, wie Karlisten auf der rechten, Radikale, Sozialisten und Anarchisten auf der linken Seite, wurden in diesem System politisch an den Rand gedr ngt, gewerkschaftliche Organisationen waren verboten neuerliche Unruhen waren vorprogrammiert. Vorerst jedoch erlebte Spanien ein Phase gro er politischer Stabilit t, begleitet von hoher wirtschaftlicher Prosperit t.

Nach dem Tod Alfons XII. wurde 1886 dessen nachgeborener Sohn als Alfons XIII. (1886-1931) zum K nig proklamiert; bis zu seiner Vollj hrigkeit 1902 f hrte seine Mutter Maria Christina von sterreich die Regentschaft. In dieser Phase verlor Spanien die letzten Reste seines ehemaligen Weltreiches: Ein neuerlicher Aufstand auf Kuba 1895 l ste den Spanisch-Amerikanischen Krieg aus, in dessen Folge Spanien auf Kuba, Puerto Rico und die Philippinen verzichten musste. Ersatz f r die verlorenen Kolonien suchte Spanien nun in Nordafrika, in Marokko.

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Niedergang der Monarchie

Das anfangs stabile Zweiparteiensystem offenbarte seit den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts zunehmend seine Schw chen. Die Arbeiterschaft begann, sich in starken Gewerkschaftsverb nden zu organisieren, so etwa in der marxistisch orientierten Uni n General de Trabajadores (UGT), die insbesondere in den Bergbaugebieten im Norden sowie in Madrid vertreten war, w hrend sich vor allem in der industriell f hrenden Region Katalonien anarchistische und syndikalistische Verb nde durchsetzten. 1910 vereinten sich die anarchistischen Organisationen in der Confederaci n Nacional del Trabajo (CNT). Daneben traten nun auch wieder regionale Sonderinteressen in den Vordergrund, wie z. B. in Katalonien, das auch aufgrund seiner wirtschaftlichen Macht Autonomie forderte. Den liberalen und konservativen Regierungen gelang es nicht, ausgleichende L sungen zu finden.

Die innenpolitische Lage wurde zus tzlich durch Spaniens Engagement in Marokko versch rft. Zur Durchsetzung seiner Herrschaft in Marokko unternahm Spanien eine Reihe von kostspieligen, blutigen Feldz gen, die in Spanien auf gro e Ablehnung stie en. 1909 entlud sich diese Ablehnung in Katalonien in einem von den anarchistischen Arbeiterorganisationen initiierten Generalstreik, der von Regierungstruppen blutig niedergeschlagen wurde. Die Folge war eine weitere Vertiefung sowohl des politischen wie des regionalen Antagonismus in Spanien.

Ungeachtet des Druckes von au en, in den 1. Weltkrieg einzugreifen, blieb Spanien neutral. Als Lieferant f r die Krieg f hrenden Staaten erlebte Spanien einen markanten wirtschaftlichen Aufschwung: Industrie, Bergbau und Landwirtschaft setzten Rekordmengen zu Rekordpreisen ins Ausland ab. Zugleich nahm die Inflation zu, und die Arbeiter verst rkten ihre Forderungen nach Lohnerh hungen und besseren Arbeitsbedingungen. Das Milit r klagte ber schlechte Entlohnung und andere Missst nde und bildete Juntas, um seinen Forderungen Nachdruck zu verleihen. Schlie lich entlud sich das soziale Konfliktpotential, das sich seit Jahren angestaut hatte, 1917 in Generalstreiks und anderen Aktionen, die den Staat in eine tiefe Krise st rzten. In Katalonien wurden die Konflikte noch durch die Autonomieforderungen versch rft und arteten hier zu b rgerkriegs hnliche Unruhen aus. Reformbem hungen scheiterten; die Krise spitzte sich im Gegenteil noch zu, als nach dem Ende des 1. Weltkrieges infolge des drastisch gesunkenen Exportaufkommens eine schwere Depression einsetzte, Spanien zudem in Marokko schwere R ckschl ge hinnehmen musste und hier den u erst unpopul ren Krieg nun wieder intensivierte.

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Die Diktatur Primo de Rivera

Vor dem Hintergrund der anhaltenden Staatskrise unternahm General Miguel Primo de Rivera im September 1923 mit Billigung des K nigs einen Milit rputsch, l ste das parlamentarische System auf und errichtete eine Milit rdiktatur; 1925 wandelte er seine Milit rregierung in eine zivile um und bernahm das Amt des Premierministers. Die oppositionellen Parteien wurden ebenso unterdr ckt wie die anarchistischen Bewegungen; stattdessen suchte Primo de Rivera die breite Masse in seiner neu gegr ndeten Partei Uni n Patri tica zu versammeln, allerdings mit wenig Erfolg. Auch regionalistische Bestrebungen wurden radikal unterdr ckt; Katalonien etwa wurden die wenigen Autonomierechte, die sich das Land hatte erk mpfen k nnen, wieder aberkannt.

Die Versuche Primo de Riveras, die innenpolitische Lage zu beruhigen, schlugen fehl, obwohl er 1926 mit franz sischer Hilfe den Marokkokrieg beendete und obwohl er mit einer F lle von ffentlichen Bauprogrammen, die insbesondere der Infrastruktur zugute kamen, der hohen Arbeitslosigkeit entgegenwirkte. Die politische und soziale Spaltung des Landes blieb bestehen, die Opposition von Anarchisten ber Sozialisten und Republikaner bis hin zu Regionalisten und teilweise auch Monarchisten gewann zunehmend an St rke. Im Februar 1930 sah sich Alfons XIII. auf ffentlichen Druck hin gezwungen, Primo de Rivera zu entlassen. Unter dessen Nachfolger, General D maso Berenguer, eskalierten die Spannungen wieder in Streiks und Unruhen; im Februar 1931 trat auch Berenguer wieder zur ck. Und als wenig sp ter die Republikaner als klare Sieger aus den Kommunalwahlen hervorgingen, verlie Alfons XIII. das Land; am selben Tag, dem 14. April 1931, wurde in Spanien die Republik ausgerufen.

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Zweite Spanische Republik

Die neue Republik fand eine breitere Unterst tzung als ihre Vorg ngerin von 1873. Als problematisch erwies sich jedoch, dass die neue Republik genau in einer Phase entstand, die nicht nur von der Weltwirtschaftskrise gekennzeichnet war, sondern auch von tiefen, ganz Europa ergreifenden ideologischen Konflikten. Im Juni 1931 wurden die Cortes neu gew hlt, und im Oktober bildeten Linksrepublikaner und Sozialisten, die ber eine gro e Mehrheit in den Cortes verf gten, eine Regierung mit Manuel Aza a y D az als Ministerpr sidenten. Die im Dezember 1931 verabschiedete Verfassung sah u. a. die Trennung von Kirche und Staat vor einschlie lich der Enteignung kirchlichen Grundbesitzes. 1932 erhielt Katalonien autonomen Status, und auch den baskischen Provinzen wurden Autonomierechte zugestanden. Au erdem wurden grundlegende Sozialreformen eingeleitet, und ein Agrargesetz sah die Enteignung des Gro grundbesitzes und dessen Verteilung an Bauern vor. All diese Reformen trafen auf heftigen Widerstand, vor allem auf den der Kirche, der Gro grundbesitzer, des Gro b rgertums und von Teilen der Armee; aber auch bei den republikanischen Kr ften selbst waren Tempo und Umfang der Reformen umstritten.

Bei den Wahlen vom November 1933 gewannen die Parteien der Rechten und der Mitte die Mehrheit. Die neue rechtsgerichtete Regierung machte einen Gro teil der Reformen wieder r ckg ngig, darunter die Agrarreform und eine Reihe antiklerikaler Gesetze. Die Folge war eine erneute Versch rfung der innenpolitischen Situation: 1934 riefen die Bergarbeiter in Asturien einen Generalstreik aus, der sich rasch zu einem Aufstand entwickelte; Katalonien proklamierte seine Unabh ngigkeit. Der Aufstand wurde blutig niedergeschlagen, das Autonomiestatut f r Katalonien aufgehoben.

Aus den Wahlen vom Februar 1936 ging der Frente Popular (Volksfront), ein B ndnis aus Kommunisten, Sozialisten und Linksrepublikanern, als Sieger hervor. Die neue linksgerichtete Regierung unter Ministerpr sident Aza a nahm den Reformkurs der ersten Regierung Aza a mit Nachdruck wieder auf; die Spannungen zwischen linksgerichteten und republikanischen Kr ften auf der einen, Klerikalen, Nationalisten und Konservativen auf der anderen Seite nahmen weiter zu, entluden sich immer h ufiger auch in handgreiflichen Auseinandersetzungen und eskalierten schlie lich im Spanischen B rgerkrieg.

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Bürgerkrieg

Der B rgerkrieg begann am 17. Juli 1936 mit der von Francisco Franco in Marokko initiierten Milit rrevolte gegen die Volksfrontregierung und erfasste rasch ganz Spanien. Dank ihrer milit rischen berlegenheit konnten die Aufst ndischen innerhalb kurzer Zeit gro e Teile Spaniens unter ihre Kontrolle bringen, und bereits im Oktober 1936 errichteten sie in Burgos eine von Franco gef hrte Junta-Regierung. Wenig sp ter erkannten die faschistischen Staaten Italien und Deutschland die Franco-Regierung an; schon seit Beginn des Krieges hatten sie die Aufst ndischen milit risch, wirtschaftlich und politisch unterst tzt.

Die republikanische Regierung dagegen erhielt Unterst tzung lediglich aus der Sowjetunion sowie von den Internationalen Brigaden; befreundete M chte wie Frankreich und Gro britannien hielten sich an die Politik der Nichteinmischung . Die Republikaner kontrollierten vor allem die Hauptstadt Madrid sowie Katalonien, das inzwischen wieder autonomen Status erhalten hatte, und die ebenfalls wieder mit Autonomierechten ausgestatteten baskischen Provinzen. Ihre Zentren Madrid und Barcelona konnten sie zwar bis Anfang 1939 behaupten; ansonsten aber verloren sie besonders ab etwa Mitte 1937 gegen ber den Aufst ndischen rasch an Boden. Ursache hierf r war neben der mangelnden Unterst tzung aus dem Ausland die politische Zerrissenheit des republikanischen Lagers, in dem praktisch alle Kr fte links von der Mitte vertreten waren, einschlie lich der Gewerkschaften UGT und CNT, die zu Beginn die Hauptlast des Krieges trugen. Insbesondere der Konflikt zwischen Kommunisten und Anarchisten stand einer politischen und milit rischen Geschlossenheit der Republikaner hemmend im Wege.

Am 26. Januar 1939 nahmen die Aufst ndischen Barcelona, und am 28. M rz zogen sie in der Hauptstadt Madrid ein. Am 2. April erkl rte Franco den B rgerkrieg f r beendet. Der Krieg hatte ber ein halbe Million Opfer gefordert, weite Teile des Landes waren verw stet, die Wirtschaft lag am Boden.

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Das Franco-Regime

Gest tzt auf die Falange, die Kirche, die Armee und das Gro b rgertum errichtete Franco ein st ndischen Prinzipien verpflichtetes diktatorisches Regime. Jede Art von demokratischer Opposition wurde unterdr ckt und mit Hilfe von Armee und Guardia Civil verfolgt, die m chtigen Gewerkschaften wurden verboten und die Arbeiter und Unternehmer in einer Einheitsgewerkschaft zwangsvereint; die autonomen Rechte Kataloniens und der baskischen Provinzen wurden zugunsten eines rigiden Zentralismus aufgehoben, jede Art von nicht kastilischer Sprache und Kultur wurde unterdr ckt; die Sozial- und Agrarreformen der republikanischen Regierungen wurden gr tenteils wieder revidiert, die Trennung von Staat und Kirche wurde r ckg ngig gemacht.

W hrend des 2. Weltkrieges blieb Spanien neutral, trotz der eindeutigen Sympathien der Franco-Regierung f r die Achsenm chte und trotz Hitlers Werben f r eine Kriegsteilnahme Spaniens. Als sich ab 1943 immer deutlicher eine Niederlage der Achsenm chte abzeichnete, wandte sich Franco vorsichtig den Westalliierten zu; allerdings hatten sowohl sein diktatorisches Regime als auch seine Sympathie f r die faschistischen Achsenm chte Spanien schon zu Beginn der Franco-Ara international in die Isolation getrieben, die auch nach Ende des 2. Weltkrieges sowohl politisch als auch wirtschaftlich aufrechterhalten wurde. So wurde Spanien z. B. nicht in die Vereinten Nationen (UN) aufgenommen, 1946 im Gegenteil von den UN offiziell als Diktatur ge chtet, und es wurde nicht in den Marshallplan einbezogen; zahlreiche Staaten brachen zudem ihre diplomatischen und wirtschaftlichen Beziehungen zu Spanien ab.

Sowohl als au enpolitisches Zugest ndnis als auch zur Bes nftigung des eigenen Landes garantierte Franco 1945 der Bev lkerung die staatsb rgerlichen Grundrechte, und 1947 f hrte er mit dem Nachfolgegesetz, dem zufolge ihm ein Bourbone als K nig in der Staatsf hrung nachfolgen sollte, offiziell die Monarchie wieder ein. Wirtschaftlich erlebte Spanien aufgrund der B rgerkriegsfolgen und der internationalen Isolierung einen Tiefpunkt die L hne waren Ende der vierziger Jahre nur noch halb so hoch wie vor dem B rgerkrieg. Dazu kamen D rreperioden, die die angespannte Situation in der Landwirtschaft noch weiter versch rften und Hungersn te nach sich zogen.

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Ende der Isolierung

Nach Ausbruch des Koreakrieges 1950 betrieben insbesondere die USA die Aufhebung der internationalen Isolierung, da sie dem Land vor dem Hintergrund des Ost-West-Konfliktes hohe strategische Bedeutung zuma en. Noch 1950 hoben die UN ihre Achtungserkl rung von 1946 auf, amerikanische Banken gew hrten Spanien Anleihen, und der Vatikan erkannte offiziell das Franco-Regime an. 1953 schlossen Spanien und die USA den Madrider Vertrag, in dem Spanien den USA eine Reihe von Luftwaffen- und Marinest tzpunkten verpachtete und im Gegenzug umfangreiche milit rische und wirtschaftliche Hilfe erhielt. Im Dezember 1955 wurde Spanien schlie lich in die UN aufgenommen; die Mitgliedschaft in der NATO blieb dem Land jedoch bis zum Ende der Franco-Diktatur verwehrt.

Trotz des Endes der internationalen Isolierung schritt die wirtschaftliche Entwicklung in den f nfziger Jahren zun chst nur z gerlich voran. Daneben formierte sich nun zunehmend wieder politisch-sozialer Widerstand, der sich u. a. in gro en Streiks in Katalonien und im Baskenland artikulierte; und auch regionalistische Bewegungen nahmen den Kampf gegen die Zentralregierung wieder auf, wie z. B. die 1959 gegr ndete ETA. Die Arbeiterstreiks zeitigten insofern Erfolge, als sich nun Arbeiterkommissionen konstituierten, die sich im Rahmen der gesetzlichen M glichkeiten f r die Wahrung und Erweiterung der Rechte der Arbeiter sowie Lohnerh hungen einsetzten, und das Regime schlie lich den Arbeitnehmern das Recht zugestand, L hne und Arbeitsbedingungen direkt mit den Arbeitgebern auszuhandeln. Um die innenpolitische Situation nicht durch neuerliches Engagement au erhalb Spaniens weiter zu destabilisieren, verzichtete Spanien ab 1956 sukzessive auf seinen letzten noch verbliebenen Kolonialbesitz in Nord- und Westafrika.

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Wirtschaftliche Konsolidierung

Einen grundlegenden wirtschaftlichen Aufschwung erlebte Spanien erst ab Ende der f nfziger Jahre. Mit Hilfe von Internationalem W hrungsfonds und OECD, der Spanien 1960 beitrat, wurden umfangreiche Entwicklungsprogramme aufgelegt, die zusammen mit einem liberaleren wirtschaftspolitischen Kurs der gesamten Wirtschaft zu einem markanten Wachstum verhalfen. Ausl ndische Investitionen und der allm hlich einsetzende Massentourismus kurbelten die Wirtschaft zus tzlich an.

W hrend die Wirtschaft boomte und L hne und Wohlstand st ndig stiegen, blieben der Liberalisierung und Demokratisierung von Staat und Gesellschaft enge Grenzen gesetzt. Vor allem mit R cksicht auf das Ausland, aber auch als Konzession an die oppositionellen Kr fte im eigenen Land wurden in den sechziger Jahren einige Gesetze verabschiedet, die u. a. die Pressefreiheit erh hten und den Cortes repr sentativeren Charakter sowie mehr Kompetenzen verliehen. 1969 bestimmte Franco offiziell, von den Cortes best tigt, den bourbonischen Prinzen Juan Carlos, einen Enkel Alfons XIII., zu seinem Nachfolger. Die m ige Liberalisierung und der zunehmende Wohlstand reichten jedoch bei weitem nicht hin, die nach wie vor bestehenden tiefen sozialen und politischen Spannungen abzubauen. Vielmehr entluden sich die Spannungen nun wieder vermehrt in Streiks und Unruhen.

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Das demokratische Spanien

Zwei Tage nach Francos Tod am 20. November 1975 wurde Juan Carlos als Juan Carlos I. zum K nig proklamiert und wenig sp ter inthronisiert. Gegen den Widerstand des alten Regimes und gegen Francos Pl ne leitete Juan Carlos sogleich einen Demokratisierungsprozess ein, der sich zun chst noch im November 1975 in der offiziellen Wiederzulassung der nicht kastilischen spanischen Sprachen als Amtssprachen manifestierte. 1976 entlie er den drei Jahre zuvor von Franco eingesetzten Ministerpr sidenten Carlos Arias Navarro und ernannte Adolfo Su rez Gonz lez zum neuen Ministerpr sidenten, mit dem zusammen er die Demokratisierung Spaniens umsetzte. Im Dezember 1976 nahm die Bev lkerung in einem Referendum mit gro er Mehrheit das so genannte Reform-Gesetz an, in dem sich die Regierung zu einer grundlegenden Reform der politischen Institutionen verpflichtete. Aus den ersten freien Cortes-Wahlen seit dem B rgerkrieg ging im Juni 1977 die in der politischen Mitte anzusiedelnde Uni n de Centro Democr tico (UCD) des Ministerpr sidenten Su rez Gonz lez als st rkste Kraft hervor; Su rez Gonz lez wurde im Amt best tigt. Mit den anderen gro en Parteien in erster Linie Sozialisten und Kommunisten einigte sich die UCD auf eine Zusammenarbeit im Demokratisierungsprozess sowie bei der Ausarbeitung einer neuen Verfassung.

Die neue Verfassung wurde im Dezember 1978 in einer Volksabstimmung mit gro er Mehrheit angenommen. Sie wandelte Spanien in eine konstitutionelle Erbmonarchie mit parlamentarisch-demokratischem Regierungssystem um. Des Weiteren gestand sie den Regionen das Recht auf Autonomie zu; bereits 1979 erhielten Katalonien und das Baskenland Autonomiestatute, und bis 1986 erhielten 15 weitere Regionen autonomen Status.

Aus den auf der Basis der neuen Verfassung erfolgten Neuwahlen im M rz 1979 ging erneut die UCD als st rkste Kraft hervor, gefolgt vom sozialistischen Partido Socialista Obrero Espa ol (PSOE) und den Kommunisten. Die UCD mit Su rez Gonz lez blieb in der Regierungsverantwortung. Die Kommunalwahlen im folgenden Monat erbrachten zumindest in den gro en St dten eine Mehrheit f r die Linke, den PSOE und die Kommunisten. Nach mehreren Regierungsumbildungen infolge von parteiinternen Auseinandersetzungen um seinen Integrationskurs trat Su rez Gonz lez im Januar 1981 als Ministerpr sident und Parteivorsitzender zur ck; zu seinem Nachfolger im Amt des Ministerpr sidenten nominierte die UCD den bisherigen stellvertretenden Ministerpr sidenten Leopoldo Calvo Sotelo. Bevor Calvo Sotelo von den Cortes offiziell gew hlt werden konnte, unternahmen Mitglieder der Guardia Civil einen rechtsgerichteten Putschversuch: Am 23. Februar 1981 st rmten sie den Parlamentssaal, nahmen einige Abgeordnete als Geiseln und forderten die Errichtung einer Milit rdiktatur. Als sich Juan Carlos jedoch wider Erwarten der Putschisten ffentlich gegen die Putschisten erkl rte und zur Demokratie bekannte, brach der Putschversuch zusammen. Zwei Tage sp ter wurde Calvo Sotelo zum Ministerpr sidenten gew hlt. 1982 setzte die Regierung Calvo Sotelo nach langwierigen innenpolitischen Auseinandersetzungen den Beitritt Spaniens zur NATO durch; die Einbindung der spanischen Armee in das Verteidigungsb ndnis sollte auch ihre Demokratisierung vorantreiben.

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Die Ara González

Bei den Cortes-Wahlen im Oktober 1982 erreichte der PSOE die absolute Mehrheit; Ministerpr sident wurde Felipe Gonz lez M rquez. Seinen Wahlsieg verdankte der PSOE u. a. dem Zerfall der von Beginn an breit gef cherten UCD, die sich 1983 vollends aufl ste. 1984/85 kam es zu einer Welle von Protesten und Demonstrationen gegen die Regierung Gonz lez: Die Rechte protestierte gegen deren Schul- und Bildungspolitik, die Linke gegen die Wirtschafts- und Sozialpolitik sowie gegen die Mitgliedschaft Spaniens in der NATO. Letztere wurde 1986 durch ein Referendum best tigt. Ebenfalls 1986 wurde Spanien nach langwierigen Verhandlungen, die 1977 eingeleitet worden waren, in die Europ ische Gemeinschaft (EG) aufgenommen. Der Beitritt Spaniens zur EG hatte eine nachhaltige positive Wirkung sowohl auf die spanische Wirtschaft als auch die Rolle Spaniens in der internationalen Politik zur Folge. 1988 erneuerten Spanien und die USA ihr bilaterales Abkommen, das den USA die weitere Nutzung einiger Milit rst tzpunkte in Spanien zusicherte.

Obwohl der PSOE und Gonz lez 1986 mit absoluter und 1989 mit relativer Mehrheit in der Regierungsverantwortung best tigt wurden, mehrte sich gerade bei der traditionellen Klientel, der Arbeiterschaft, die Kritik an und die Unzufriedenheit mit der Regierung Gonz lez, die der stagnierenden Wirtschaft, den sinkenden Reall hnen und der wachsenden Arbeitslosigkeit nicht wirksam zu begegnen wusste. Das Jahr 1992 brachte einen Aufschwung sowohl der Stimmung in der Bev lkerung als auch der Wirtschaft: In Barcelona fanden die Olympischen Sommerspiele statt und in Sevilla anl sslich des 500. Jahrestages der Entdeckung Amerikas durch Kolumbus die Weltausstellung. Bei den Wahlen von 1993 musste der PSOE gegen ber 1989 weitere Stimmeneinbu en hinnehmen, blieb aber st rkste Kraft im Parlament und stellte mit Gonz lez weiterhin den Ministerpr sidenten.

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Machtwechsel

Mehrere Niederlagen seiner Regierung im Parlament veranlassten Gonz lez Ende 1995, f r M rz 1996 vorgezogene Neuwahlen auszuschreiben. Aus den Wahlen ging der konservative Partido Popular (PP) als st rkste Kraft hervor; Ministerpr sident einer von den nationalistischen Regionalparteien gest tzten Minderheitsregierung wurde Jos Mar a Aznar. Neben der wirtschaftlichen Stagnation war vor allem eine Reihe von Korruptions- und Betrugsaff ren, in die f hrende PSOE-Politiker verwickelt waren, f r die Wahlniederlage des PSOE verantwortlich. Insbesondere die so genannte Staatsterrorismusaff re die Aff re um die Billigung oder gar Beteiligung f hrender Regierungsmitglieder an den illegalen Aktivit ten einer gegen die ETA operierenden Antiterrororganisation kosteten den PSOE ein hohes Ma an Glaubw rdigkeit und Vertrauen.

Aznar leitete ein umfangreiches Sparprogramm ein, damit Spanien die Beitrittskriterien zur Europ ischen Wirtschafts- und W hrungsunion erf llen konnte. Die Sparma nahmen erstreckten sich vor allem auf die Bereiche Sozialleistungen und Subventionen, zudem wurden einige Steuern erh ht; dies provozierte zusammen mit der sehr hohen Arbeitslosenquote von ber 20 Prozent eine Reihe von Gro demonstrationen gegen die Regierungspolitik. Dennoch gelang es der Regierung Aznar, den Haushalt so weit zu konsolidieren, dass Spanien ab dem 1. Januar 1999 an der Einf hrung des Euro teilnehmen konnte, der seit dem 1. Januar 2002 W hrungseinheit ist.

Im Oktober 1998 stellte Spanien einen internationalen Haftbefehl gegen den ehemaligen chilenischen Staatschef Augusto Pinochet Ugarte aus, der daraufhin in Gro britannien, wo er sich gerade aufhielt, unter Hausarrest gestellt wurde. Wenig sp ter stellte Spanien einen Auslieferungsantrag und erhob offiziell Anklage gegen Pinochet wegen Entf hrung, Folter und Mord, begangen in den Jahren 1973 bis 1990 an spanischen Staatsb rgern. Haftbefehl und Anklage gegen Pinochet seitens der spanischen Justiz zogen auch Auslieferungsantr ge anderer L nder nach sich, beschworen internationale diplomatische Verwicklungen herauf, warfen problematische juristische Fragestellungen auf und f hrten vor allem in Spanien, Chile und Gro britannien zu Demonstrationen und Auseinandersetzungen zwischen Anh ngern und Gegnern Pinochets. Ihr Vorl ufiges Ende fand die Pinochet-Aff re im M rz 2000 mit der Entlassung Pinochets aus Gro britannien nach Chile.

Bei den Wahlen im M rz 2000 gewann der PP mit 183 der insgesamt 350 Sitze in den Cortes die absolute Mehrheit; Aznar wurde im Amt des Ministerpr sidenten best tigt. Seinen Wahlerfolg verdankte der PP vor allem der erfolgreichen Wirtschaftspolitik der Regierung Aznar, der es u. a. gelungen war, die Arbeitslosenquote entscheidend zu senken. Der PSOE unter seinem neuen Vorsitzenden Joaqu n Almunia dagegen hatte sich inhaltlich und personell wenig homogen pr sentiert, litt zudem noch an den verschiedenen Korruptions- und Betrugsaff ren, in deren Rahmen unterdessen auch einige f hrende PSOE-Politiker verurteilt und inhaftiert worden waren.

Beherrschendes innenpolitisches Thema der neunziger Jahre war der anhaltende Terror der ETA, dem bislang bereits ber 800 Personen zum Opfer gefallen waren. Die Aktionen der ETA, die sich nun vor allem auch gegen konservative Lokalpolitiker im Baskenland richteten, riefen zunehmend den Protest der Bev lkerung in ganz Spanien hervor; Massendemonstrationen gegen den ETA-Terror waren an der Tagesordnung. Im Vorfeld der Regionalwahlen im Baskenland verk ndete die ETA im September 1998 eine unbefristete Waffenruhe und forderte die spanische Regierung zu Verhandlungen ber einen unabh ngigen baskischen Staat auf. Einen unabh ngigen Baskenstaat lehnte die Regierung Aznar jedoch prinzipiell ab, nahm aber dennoch erstmals offizielle Gespr chskontakte zur ETA auf. Die Wahlen im Baskenland im Oktober 1998 erbrachten eine Kr ftekonstellation, die die parlamentarische Unterst tzung der gem igt nationalistischen Regionalregierung durch die Herri Batasuna (HB), den politischen Arm der ETA, erforderlich machte; somit war die HB erstmals seit der Wiederherstellung der Demokratie in Spanien zumindest indirekt an der baskischen Regierung beteiligt.

Im November 1999 k ndigte die ETA den Waffenstillstand wegen, wie sie erkl rte, anhaltender Repressionen seitens der spanischen und der franz sischen Regierung wieder auf. Damit endeten auch die Verhandlungen zwischen der Regierung Aznar und der ETA. Im Januar 2000 ver bte die ETA ein erstes Attentat seit Aufk ndigung des Waffenstillstandes, zahlreiche weitere folgten. Die Protestdemonstrationen der spanischen Bev lkerung gegen den ETA-Terror nahmen nun nie da gewesene Ausma e an. Nach einer Reihe von Attentaten gegen baskische Regionalpolitiker im Sommer 2000 leitete die Regierung Aznar eine sch rfere Gesetzgebung gegen den ETA-Terrorismus in die Wege; zudem wurden im September 2000 die f hrenden Mitglieder der ETA-Organisation Ekin verhaftet, die u. a. f r die Vorbereitung von Attentaten verantwortlich ist und die durch die Verhaftungen nach Polizeiangaben weitgehend zerschlagen wurde. Nur wenig sp ter verhaftete die franz sische Polizei den mutma lichen ETA-F hrer sowie eine Reihe weiterer prominenter ETA-Mitglieder. Am 17. M rz 2003 verbot der Oberste Gerichtshof die Partei Herri Batasuna (HB) und folgte damit einem Antrag der spanischen Regierung.

Vor der K ste der Region Galicien ereignete sich im November 2002 ein schweres Tankerungl ck. Am 13. November havarierte der ltanker Prestige mit 77 000 Tonnen Schwer l an Bord und sank wenige Tage sp ter. Bei dem Ungl ck str mten mehrere tausend Tonnen l ins Meer, weite Strecken der galicischen K ste wurden verseucht.



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